Sascha Funke: Mango
Beim Hören des neuen Albums von Sascha Funke habe ich die ganze Zeit ein einziges Bild im Kopf. Da steht ein Baum an einem weiten, menschenleeren Sandstrand und drunter halten sich zwei Liebende umschlungen. Irgendwo in der Ferne liegt ihr Hotel. Und von der Hotellounge dringt noch ein wenig der Sound herüber, welcher der Hotelmanager für ausreichend “kulturtypisch”, aber erträglich genug befand, um damit den Urlaub zu untermalen. Die beiden Liebenden haben es geschafft, sich für eine Stunde von der Reisegruppe abzusetzen. Sie wissen, dass jederzeit irgendjemand von denen besoffen in ihre Richtung stolpern kann oder aber Animateur “Juan” sie finden könnte, und zu einer weiteren Polonäse rund um den Pool verdonnern wird. Mit dieser Sorge genießen die beiden dieses kleine bisschen kostbare Zeit für sich. Etwas nervös, nur mit sich allein, weit weg von allem, unter ihrem Mangobaum.
Ganz behutsam empfängt Sascha Funke die Hörer auf seinem neuen Album – dem zweiten eigenen und damit dem Nachfolger zu “Bravo“. Genau so zart wie der das Eröffnungsstück, ist dann auch der Titel (sowohl von diesem Stück als auch vom ganzen Album) “Mango“. Und irgendwie lassen sich erstaunlich viele Assoziationen auf diese tropische Fucht im Laufe des Albums anstellen.
Als ob er eine Mango schälen würde, fast zärtlich, geht Sascha mit den Sounds um, die er in seinen insgesamt 9 Stücken nutzt. Nichts wirkt überladen oder gar unüberlegt, nichts unausgereift. Durch saftige Schichten wohlig prickelnden Fruchtmarks schlürft man sich durch bis zum Kern. Auf den stößt man erstmals beim vierten Track: “Take A Chance With Me” – hier wird’s zum ersten Mal etwas tanzbarer. Danach besinnt sich Sascha Funke aber auch sofort wieder der sensible Grundstimmung, mit “Summer Rain” zieht er sich in ambientöse Gefilde zurück. Doch kurz danach – bei “Double Checked” – gibt es für unsere Liebenden dann aber kein Halten mehr. Sie stehen auf und wiegen sich langsam in den Wellen der satten Bässe die wie ein warmer Windhauch bis zu ihrem Mangobaum herüberweht. Ihre Zehen spielen mit dem Sand. Ganz eng wollen sie die Bewegungen des anderen fühlen.
Nein, dieses Album ist nicht für die Disko geeignet. Da ist es so fehl am Platz wie McDonalds-Weideflächen im Regenwald. Die Musik ist zu zart für raue, verrauchte Dancefloors, die von Leuchtkegel und blinkenden Lichtinstallationen erhellt werden. Mit diesem Album lässt sich die hoffnungsvolle Süße des aufkeimenden Frühlings untermalen – ob nun unter einer Eiche im Hinterhof eines Berliner “Underground”-Clubs oder unter einem Mangobaum irgendwo in Thailand.
Hier eine kleine Preview des Albums:
Tracklist:
- Mango
- We Are Facing The Sun
- Feather
- Take A Chance With Me
- Summer Rain
- Double-Checked
- Lôtre (Mehr Fleisch)
- Chemin Des Figons
- The Fortune Cookie Symphony



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