Breaking through Consensus Reality
Was wir als Realität wahrnehmen, das ist gemacht – es ist eine stillschweigende Übereinstimmung, ein Konsens. Die Konsens-Realität zu hinterfragen, dass bedeutet auch die Wahrnehmung und Selbstverständlichkeit der Mehrheit zu hinterfragen. Oder einfach: die eigene Perspektive auf den Kopf zu stellen.
Auch was Musikkultur betrifft, gibt es eine Konsens-Realität über das, was wir zu wissen glauben – über die Geschichte und Verbreitung unserer Lieblingsmusik, über das, was modern ist und das was hinterwäldlerisch ist. In dieser Konsens-Realität ist das, was nicht aus Europa kommt, schnell als rückständig gebrandmarkt. Das betrifft Musik aus anderen Regionen als Europa oder Nordamerika. Warum das so ist, das lässt sich erklären: da wären unter anderen der Markt mit seinen Warenrouten, die politisch und ökonomisch vorprogrammierte Vorurteile, kapitalistische Verwertungsprinzipien und historische Ereignisse.
Sublime Frequencies, Marcus Boon und Noureddine Ben Redjeb (Haus der Kulturen der Welt) gehen diesen Fragen innerhalb einer Paneldiskussion nach, welche wir aufgezeichnet haben. In den Blickpunkt geraten dabei die musikalische Parallelen an den ungleichen Enden der Welt sowie der gegenseitige Austausch, wie er dann doch zustande kommt. Dabei ist die Abfolge dieses Austausches oft chaotisch und nicht immer nachverfolgbar. Aber er passiert! Beteiligten Zusammenhänge sind schwer zu durchblicken. Klangsammlungen mit Musik aus den abseits gelegenen Weltregionen, wie jene von Sublime Frequencies, leisten einen Beitrag dazu, diese Prozesse zu dokumentieren. Vielleicht sind sie ein wichtiger Baustein für eine Kommunikationsbrücke, welche die Konsens-Realität hinterfragt und einen anderen Blickwinkel ermöglicht.
Die Panel-Diskussion wurde bei Structures Node 1: Global Alchemy im Juni 2009 aufgezeichnet, eine Veranstaltung der Club Transmediale. Wir stellen sie Euch hier gekürzt zum Nachhören zur Verfügung.



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