Yello reißen die vierte Wand ein


Yello 2009

Es wäre weit gefehlt, nur von einer gewöhnlichen Filmpremiere zu reden, denn auch in diesem Falle wird man zu einer späteren Zeit wieder antworten müssen: “Die Schwyzer haben’s errfundn” . Yello präsentierte Anfang Oktober anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens im Berliner Kino International nicht nur ein lang erwartetes neues Album “Touch Yello”, sondern auch die digital-visualisierten Klangbilder Boris Blanks in Form eines virtuellen Auditoriums, welches von Kevin Blanc gestaltet wurde. In diesem virtuellen Konzertsaal ist alles möglich. Nicht nur, dass Meier und Blank sich in jeder Form der freien Bewegung wiederfinden und diese auch ausgiebig in guter alter Yello-Manier nutzen, auch ihre musikalischen Begleiter, die magische Sängerin und Komponistin Heidi Happy und der schmeichelnde Jazztrompeter und Hornist Till Brönner, werden zu Darstellern in einem schier unerschöpflichen Universum der bildhaften Versinnlichung der World of Yello. Unterstützt wurde das ganze durch electronicbeats, die so besonderes Zeitdokument ermöglicht haben.

Nicht verwunderlich war es, dass auch das begeisterte Premierenpublikum intuitiv nach jeder Nummer applaudierte. C’est ci ne pas une concert mais plus. Dieses mal wurde die vierte Wand der Bühne nur digital eingerissen. Doch darf man vermuten, dass uns Meier und Blank zum 50ten Jubiläum ihres Projekts in den kommenden Zeiten des 3D-Fernsehens und der holographischen Projektionen endlich um die Köpfe fliegen und uns dabei wieder eine Menge Spaß und musikalische Finesse präsentieren werden.

Für den Eintritt in das virtuelle Theater muss man jedoch noch bis vor Weihnachten warten. Dann gibt es die DVD-Jewelbox mit dem virtuellen Konzert auch für den Gabentisch. Das ist auch dringend empfehlenswert, denn das Album an sich ist eher etwas für den verwöhnten audiophilen Technoopa, der sich bei einem Pfeifchen gerne etwas zurücklehnt und an die ersten ” Bostich”-Tage zurückdenkt, an denen er auch noch so verrückt herumsprang – wie es Meier und Blank nun ewig tun werden.

“The Voice” Dieter Meier von Yello im Interview mit Wolf K. nach der Weltpremiere

Nach der erfolgreichen Premiere der Sound- und Lichtspielvorführung traf sich Wolf K mit Dieter Meier in der Honecker-Lounge des Kino International. Der Schweizer Meister des Electronic Pop spricht über die Klangbilder seines künstlerischen Partners und seinen Platz in der Szenerie, ebenso wie über die Berührungspunkte zwischen den “Godfathers” und der nächsten Generation der elektronischen Musik.

 
Zurück auf die Startseite

Leserbriefe

Kein Leserbrief für “Yello reißen die vierte Wand ein”

Leserbrief verfassen