Tour-DVD: Making Contakt


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Der zehnjährige Geburtstag von Minus war 2008 Anlass für die Contakt-Tour von Richie Hawtin und Freunden. Daraus resultiert die Dokumentation “Making Contakt”,  die am 26.02.2010 auf DVD erscheint. Vorab gab es am 03.02 im Kino Babylon ein Screening für Freunde & Fans, bln.fms Cornelis Clement war auch dabei.

Einige haben vielleicht gehofft, dass der Film sein Hauptaugenmerk auf die Abbildung extravaganter Hotel-Partys legt, bei denen die Crew megaverstrahlt brennende Sofas in die Lobby wirft. Dem ist nicht so: Wesentlicher Inhalt des Films ist vielmehr die Herausforderung, den Tech-Rider (also die Liste technischer Anforderungen für den Auftritt) am jeweiligen Veranstaltungsort umzusetzen. Hört sich als Idee zunächst weniger spektakulär an, gewinnt aber an Brisanz, wenn man sich vergegenwärtigt, was Richie Hawtin und seine Minus-Kollegen so alles auf der Tournee auffahren. Meterlange Reihen von Rechnern, Mixern und Effektgeräten, sowie soviel Kabel, dass man den Mond damit hätte verstöpseln können, besäße er einen Cinch-Eingang – das alles erhöht das Risiko, dass beim Aufbau etwas schiefgehen kann. Mal ist es die Improvisationsmentalität in Rom, welche für leichte Herz-Rhythmus-Störungen bei der Crew sorgte. Oder das Laissez-faire in Buenos Aires, kombiniert mit der Tatsache, dass Madonna ebenfalls in der Stadt ein Konzert gibt: In der ganzen Stadt gab es keine LEDs mehr für die Minus-Shows.

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Zu Beginn der Dokumentation wird natürlich auch etwas über Ziele und Visionen von Minus gesprochen. Kernaussage: Die Party soll zu etwas Multimedialem, Einzigartigen gemacht werden, bei dem jeder aus dem hintersten Winkel der Welt via Internet, SMS und Rauchzeichen teilnehmen kann. Wie bei den meisten Visionen stellt man sich allerdings die Frage, ob es so was tatsächlich braucht. Funktioniert es überhaupt, Rituale wie das „Feiern gehen“ auf das Internet erweitern zu wollen? Diese Ideologiefragen sind aber nicht weiter Thema des Films – sonst hätte es leicht ein 80minütiger Minus-Werbespot werden können.

Naruse_3Bei neun Veranstaltungsorten und dem jeweils gleichen Darstellungsprinzip liegt die Vermutung nahe, dass der Film schnell langweilig werden könnte. Aber mit dieser Annahme liegen wir falsch: Denn zum einen ist alles schön kompakt zusammengeschnitten und zum anderen ist der Film lustig. Szenen wie Magdas beherzte Raumbegehung beim ersten Location-Check in Detroit, der pfeifende Druffi in Rom oder Ansagen von Richie an die Crew leben von ihrer Situationskomik.

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Im Klangbett dominieren natürlich Minus-Tracks. Dennoch ist der Film als Retrospektive der Labelgeschichte nicht aufdringlich. Die drei wesentlichen Bestandteile eines Films – Idee, Umsetzung und Musik – sind handwerklich gut miteinander verzahnt und so ist das Ganze eine kurzweilige und unterhaltsame Geschichte. Für den interessierten Beobachter von elektronischer Tanzmusik ist diese DVD auf jeden Fall nichts Verkehrtes. Mit reichlich Bonus-Material und unveröffentlichten Minus-Tracks sollte diese Kaufentscheidung im Nachhinein nicht bereut werden.

(”Making Contakt”, DVD, Minus/Rough Trade)

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