Sa
5/6 ’10
20:00
 

Life is Live: Höre mit Schmerzen mit Kode9 und SoiSong


mit SoiSong, Kode9, Susanne G. Cusick und Diedrich Diedrichsen

Soisong

SoiSong

Was es heißt, wenn mittels Musik Kontrolle über den Körper ausgeübt wird, das weiß jeder, der sich schon einmal in die Hände eines guten DJs begeben hat. In der Regel geschieht das freiwillig und läuft meistens auch einigermaßen schmerzfrei ab. In Ausnahmen kann der Tanzstil zu Schmerzen führen oder die Musik selbst, wenn zu der hypnotischen Komponente unangenehm hohe oder tiefe Töne und extreme Lautstärke dazukommen.

Doch Musik wird auch ganz bewusst zur Erzeugung von psychischem und physischem Schmerz eingesetzt, zum Beispiel im Gefangenlager von Guantanamo, wo GIs ihre Opfer mit der gesamten Bandbreite westlicher Pop-Musik von Britney Spears bis Metallica traumatisierten. Warum gerade Musik so effektiv als Foltermittel eingesetzt werden kann, wo und wie der Zusammenhang zwischen Schmerz und Musik künstlerisch thematisiert wird und was es mit Sonic Warfare, der akustischen Kriegsführung auf sich hat, wollen Tobias Rapp und Christoph Gurk im zweiten Teil der Gesprächs-und Konzert-Reihe Life is Live im HAU 2 klären.

Eröffnet wird das Wochenende mit einem Vortrag von Steve Goodman aka Kode9. Der Schotte ist nicht nur Betreiber des Labels Hyperdub und vielgebuchter Dubstep-DJ, sondern auch Autor des Buches “Sonic Warfare: Sound, Affect, And The Ecology Of Fear”. Im Anschluss geht es live weiter mit einem der seltenen Konzerte des Projektes SoiSong. SoiSong ist die musikalische Kollaboration von Peter Christopherson und Ivan Pavlov. Christopherson war Gründer der  Industrial-Pioniere Throbbing Gristle und der Noise/Neofolk-Band Coil, der Klangkünstler und Computermusiker Pavlov veröffentlicht seit Ende der Neunziger unter dem Pseudonym COH. Christopherson wird an diesem Abend aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich anwesend sein, aber durch die Hilfe von digitaler Kommunikationstechnologie live zum Geschehen beitragen. Nach dem Konzert wird Kode9 auflegen.

Den theoretischen Teil eröffnet am Sonntag Abend die New Yorker Musikwissenschaftlerin Suzanne Cusick mit einem Vortrag über die gegenseitige Ergänzung von Audio-Überwachung und akustischer Gewaltanwendung. Gusicks Forschungen fußen unter anderem auf Interviews mit ehemaligen Guantanomo-Gefangenen. Danach diskutiert Cusick mit Julia Duchrow, Referentin für Menschenrechte bei Amnesty International, und Salah Ahmad, Therapeut am Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin.

Im Anschluss  wendet sich Diedrich Diedrichsen dem Thema von der musikalischen Seite zu und setzt da an, wo Musik zur körperlichen Erfahrung wird. Er spannt dabei den Bogen vom genüsslichen Sich-Ausliefern bis zur bewussten Manipulation am eigenen Körper. Nicht zufällig war die Industrial-Szene die erste popkulturelle Strömung, die ausgiebig mit Piercings experimentierte. Diedrichsen diskutiert nach seinem Vortrag mit der Medienwissenschaftlerin Ute Holl und dem Künstler Russell Haswell.

Im Anschluss geben Florian Hecker und Russell Haswell im Rahmen von zwei Soundperformances praktische Beispiele zur physischen Wirkung von Klang. Haswell arbeitete in der Vergangenheit mit so unterschiedlichen Noise-Szenegrößen wie Aphex Twin, Whitehouse und Merzbow zusammen und beschäftigt sich im wesentlichen mit extremer Computermusik. Dazu nutzt er unter anderem das UPIC, ein Software/Hardware-Kompositionswerkzeug, das in den 70er Jahren von dem Komponisten Iannis Xenais entwickelt wurde. Florian Hecker wird im HAU eine 4-Kanal-Klanginstallation aufführen, die sich unter anderem mit den Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie auseinander setzt.

Samstag, 5. Juni, ab 22.30 Uhr: Soisong und Kode9

Sonntag, 6. Juni, ab 18.00 Uhr: Vorträge und Diskussion mit u.a. Suzanne G. Cusick und Diedrich Diedrichsen; ab 22.00 Uhr: Soundperformance mit Russell Haswell und Florian Hecker

HAU 2, Hallesches Ufer, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn: Hallesches Tor

Wir verlosen 2×2 Tagestickets für den Samstag!

Klicke hier, um mit dem Kennwort “SOISONG” an der Verlosung teilzunehmen. Einsendeschluss ist am 4.6.2010, 15h.

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