Berlin Music Week – Eine Woche kreatives Chaos.


Berlin Music Week 2010Am 6.9. öffnet die Berlin Music Week ihre Pforten. Um der aufkommenden Verwirrung wegen der vielen Mitveranstalter und Akteure beizukommen, wurde letzte Woche zur Pressekonferenz eingeladen. Hier durften sich die wichtigsten Teilnehmer und Förderer vorstellen und der angereisten Pressemeute erzählen, was denn das Besondere ihrer jeweiligen Veranstaltung ist.

Unter den Decknamen Berlin Music Week vereinen sich alle musikbezogenen Veranstaltungen der kommenden Woche. Nachdem die Popkomm letztes Jahr aufgrund zu weniger Anmeldungen überraschend abgesagt und als Ersatz die all2gethernow ins Leben gerufen wurde, entschloss man sich dieses Jahr, Ideen und Konzepte unter einem Namen zu bündeln. Ziel der Berlin Music Week ist es, neue Sounds, neue Trends, die stetigen Veränderungen und Gegensätze sichtbar zu machen. Dabei sollen Konsumenten wie auch „illegale Downloader“ eingebunden werden, der Diskurs zwischen ihnen und der Branche selbst angeregt und somit neue wirtschaftliche Optionen entwickelt werden.

Dabei setzt die Popkomm auf neue Konzepte, neue Inhalte und neue Partner. 470 Firmen werden vor Ort sein, davon 60% aus dem Ausland. Besonderes Augenmerk verdient laut Ralf Kleinhenz (Geschäftsführer der Popkomm GmbH) die neu erschaffene Popkomm Music City in der Eingangshalle des Flughafen Tempelhof, die sich nicht nur an das Fachpublikum der Musikbranche sondern an alle richtet: Hier wird dem Besucher ein bunter Mix aus Musik, Kunst, Mode (in Kooperation mit einer Bekleidungskette), Kino und mehr geboten werden. Und das alles ohne Eintritt! Das ebenfalls am und um den Flughafen Tempelhof platzierte Showcase Festival der Popkomm soll als „Warm Up“ zum Berlin Festival verstanden werden.

Das Konzept der diesjährigen a2n ist dagegen mit dem Barcamp und dem anschließenden Kongress dem des letzten Jahres ähnlich. Beim zweitägigen a2n-Camp werden zu verschiedenen Themengebieten – „von Plato zu Bohlen“ – Sessions veranstaltet, die auch dokumentiert werden und per Live Stream mitverfolgt werden können. 140 Sprecher in 80 Sessions sind vorgesehen. Anschließend sollen die Ergebnisse der Sessions mit den Künstlern des Berlin Festivals auf dem a2n-Congress, welches parallel zur Popkomm-Messe stattfinden wird, diskutiert werden.

Beendet wird die Berlin Music Week schließlich mit dem Berlin Festival, dessen interessanteste Acts hier auf BLN.FM schon vorgestellt wurden. Das Festival findet nun schon zum fünften Mal im Flughafen Tempelhof statt und bildet nach der eher businessbetonten Woche einen hedonistischen Abschluss. Damit soll ein weiteres Signal gesetzt und Berlin als wichtiger Musikstandort für Branche wie Publikum betont werden.

Neben diesen drei Großveranstaltungen wartet die Berlin Music Week noch mit zahlreichen weiteren Events auf. So findet am Donnerstag in der Kulturbrauerei das „Summerize“-Festival statt, am Freitag dann die „Nacht nach Ramadan“, bei der mit einer Konzertnacht das Ende der muslimischen Fastenzeit zelebriert werden soll. Der seltsame Humor des Veranstalters Sören Birke wirkte dabei eher fehl am Platz: „Wir wollen zeigen, dass unsere muslimischen Mitbürger nicht nur intelligent sind, sondern auch Musik machen können.“

Als Vertreter der Clubcommission Berlin stellte Lutz Leichsenring die am Samstag stattfindende Berlin Clubnacht vor: für 12€ erwarten den Clubgänger in 44 Clubs mit 17 Bands, über 100 DJs auf über 60 Floors eine musikalisch bunte Nacht, bei der von Electro bis Jazz verschiedene musikalische Stilrichtungen angeboten werden. Mit einer weiteren Veranstaltung im .HBC soll zugleich auf die Probleme der Clubszene hingewiesen werden: So gibt es Veranstaltungsorte mit großer Popularität über Berlin hinaus, die – wie das SO36, Maria oder das Icon – von Schließung bedroht sind. Im .HBC wird das mit einer Ausstellung dokumentiert. Gleichzeitig werden am Freitag (10.9.) um 17h die Filme “Nightwalk – Jugend der Nacht” und “Nightmusic – Von Beruf DJ”von Manfred Wilhelms gezeig, anschließend gibt es eine Diskussionsrunde mit dem Regisseur.

Viele Ideen, viele Veranstaltungen, viel Musik… Ein schier enormes Angebot, bei dem man fast den Überblick verlieren könnte. Hotspots sind dabei der Flughafen Tempelhof, die Kulturbrauerei mit dem Kesselhaus und die verschiedenen Locations rund um die Spree, der so genannten Clubspree Berlin; hier gibt es als weiteren Anreiz die Möglichkeit, mit Solarbooten von einer Location zur nächsten geschippert zu werden. Die Solarboote stehen dabei für einen ersten Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Musikbranche, wie sie Jacob Bilabel, Gründer der Green Music Initiative und weiterer Akteur der Berlin Music Week vertritt.

Für den Branchenkenner und Fachinteressierten bietet sich die Möglichkeit, zwischen Popkomm als Kontaktmesse und der a2n als Ort des Diskurses und des Ideenaustausches hin und her zu switchen. Es bleibt die Hoffnung, dass die Berlin Music Week tatsächlich mit neuen Impulsen, neuen Ideen und konkreten Zielen aufwarten kann und nicht hinter den Erwartungen zurückbleibt. Interessant ist, dass das elektronische Musikfestival BerMuDa kommende Woche nicht wie 2009 mit von der Partie sind, sondern erst im November (ebenfalls im Flughafen Tempelhof) an den Start gehen. Das ist vielleicht ein Hinweis auf das Konfliktpotential zwischen den einzelnen Akteuren der Berlin Music Week, wie es auch in der Pressekonferenz am Rande erwähnt wurde.

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