Junior Boys – It’s All True

Pop, Pop, Pop! möchte man rufen. Konnte man die Junior Boys auf den bei­den Vorgänger-Alben „So This Is Good­bye“ und „Begone Dull Care“ – viel­leicht vor allem wegen der exzel­len­ten Remixe — noch als Elec­tro­nic Dance Act begrei­fen, stel­len sich Jeremy Green­span und Matthew Dide­mus mit ihrem neuen Album ganz klar auf die Seite des Pop und fei­len ihre Mar­ken­zei­chen wie auf­ge­räumte Arran­ge­ments, per­lende Arpeg­gios, fili­grane Klang­krea­tio­nen und Greenspan’s äthe­ri­sche Stimme auf Stromlinienniveau.

Nach dem recht stür­mi­schen Opener „Itchy Fin­gers“ legen sich die Boys gleich mal ent­spannt zurück und zau­bern mit „Playtime“ eine – ja, sagen wir ruhig – Bal­lade hin, die wie ein Tür­ste­her funk­tio­niert: Wer das nicht mag, braucht gar nicht län­ger anzustehen. Wer es liebt, bekommt mehr vom Guten:  „You’ll Improve Me“ nimmt den Faden von „Playtime“ auf und spinnt ihn mit den typi­schen Junior Boys-Elementen wei­ter. Exem­pla­risch für die­ses Album ist womög­lich „Second Chance“: Hier legen die Junior Boys mit einem Killer-Groove los, aus dem andere gleich ein gan­zes Album klo­nen wür­den. Den Junior Boys genü­gen 42 Sekun­den, dann schwel­gen sie wie­der ganz in ver­schwen­de­ri­schen Akkord­wech­seln und   schmach­ten­den Melo­dien. Die wol­len nicht tan­zen, die wol­len sich verlieben!

Zwar feh­len mir hier Hits wie „Hazel“ oder „Like A Child“, auch die erste Single-Auskopplung „Banana Ripple“ reicht da nicht im Ent­fern­tes­ten ran. Aber die­ses Album über­zeugt ein­fach auf der Lang­stre­cke. Locker und leicht geschla­gen und per­fekt für einen heis­sen Som­mer am See, mit leich­tem Durch­hän­ger, wenn gegen Ende die Stü­cke elek­tro­ni­scher und weni­ger gesangs­las­ti­ger wer­den („Kick The Can“) — und das war bei frü­he­ren Junior Boys-Alben auch schon mal genau anders­rum der Fall.

All jene, denen Greenspan’s säu­seln­der Gesang auf den Vorgänger-Alben irgend­wie irgend­wann auf den Keks ging, wer­den hier eben­falls versöhnt. Ich zumin­dest. Und daß ich bei „The Reser­voir“ ein­fach sofort an „Drive“ von den Cars den­ken muss, ist wahr­schein­lich mein ganz eige­nes klei­nes Privatproblem. Deshalb beide Dau­men hoch!

Pre­view:

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Track­list

  1. Itchy Fin­gers
  2. Playtime
  3. You’ll Improve Me
  4. A Truly Happy Endling
  5. The Reser­voir
  6. Second Chance
  7. Kick The Can
  8. EP
  9. Banana Ripple

(Domino USA)

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