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Ira Atari – Via Internet in die Frittenbude

Ira AtariIra Atari hat es nicht leicht in der von Männern dominierten Elektroszene. Davon lässt sich die in Kassel geborene ausgebildete Pianistin aber nicht entmutigen. Ira Anika Göbel, wie die Künstlerin mit bürgerlichem Namen heißt, hat gerade ein neues Album bei Audiolith veröffentlicht, produziert von Ja!kob von Frittenbude. Weil Jac!kob in Berlin wohnt und Ira in einem kleinen Dorf bei Kassel, wurde das Album nahezu komplett über das Internet produziert. Herausgekommen ist eine sehr abwechslungsreiche Ansammlung von Songs, die den Namen “Shift” sowohl musikalisch als auch textlich verdient. Von atmosphärisch houselastigen Tracks wie “Follow” bis zu an “Flat Eric” gemahnenden Brettern wie “Don’t let me down” findet sich eine große Bandbreite an Tracks.

Wie es dazu kam, warum das Album “Shift” heißt und was ein Spaziergang im Wald mit all dem zu tun hat, hat Ira uns im BLN.FM-Studio erzählt. Wir sind froh, dass sie dazu am Tag der Album-Releaseparty Mitte März im Magnet Club Zeit gefunden hatte.

Das ganze Interview zum Nachhören:

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Von Jens Baudisch

Siriusmo – Alles nur Geräusche

SiriusmoTöpfe, Konservenbüchsen, Hupen, Tasteninstrumente, Trichter, Riesenhandschuhe aus Stoff, Rasseln, Verstärker, Monitore, ein Gewehr mit Keyboard am Lauf, Trommeln, ja selbst der Holzstiel mit der bekannten roten Saugpümpel-Gummistampfer-Vorrichtung zur Bekämpfung verstopfter Rohre gehört zum Ensemble. – Nein, wir befinden uns nicht an einem Flohmarkt-Stand, sondern im Soundlabor von Siriusmo. In seinem selbstgebastelten Studio regiert das strukturierte Chaos.

Alles ist zusammengerückt, gestapelt, mit Schnüren verkabelt oder mit Ästen gesichtert und zu einem riesigen, verwursteten Gerüst aufgetürmt. Moritz sitzt wie an einem Schlagzeug dahinter und klöppelt auf die Gerätschaften ein. So in etwa stelle ich mir eine Studiosession bei dem sympathischen Herrn vor. Geräusche sind sein Element und kein Gegenstand ist vor seinen Klangexperimenten sicher.

Siriusmo bei der Arbeit (von Jan Siebert)Wenn er keine Musik macht, zeichnet er gerne und arbeitet als Illustrator. In beruflicher Hinsicht ist Moritz gelernter Stuckateur. Daher weiss er, dass es auf’s Detail ankommt, an welchem mit viel Ausdauer und Fantasie ewig lang herumgewerkelt wird. Ähnlich viel Fingerspitzengefühl und ein Blick für das große Ganze beweist er als Siriusmo auch in seiner Musik. Wie reichlich verzierter Stuck setzt sich auch seine Musik aus vielen Details zusammen und ergibt ein großes Gesamtbild. Mehr als passend ausgewählt ist daher der Name für sein Album “Mosaik” (Das BLN.FM-Review gibt’s hier).

Eigentlich soll ja alles nur ein Hobby sein, aber dafür ist er in den Augen und Ohren anderer Zeitgenossen einfach zu gut. Das Moritz ein hervorragender Musiker ist, haben auch Modeselektor mitbekommen. Für sein aktuelles Album haben Gernot und Szary extra das Label Monkeytown gegründet und sie versuchen ihm, nach eigenen Angaben, mit viel Liebe und Zuneigung seine Schüchternheit und die Angst vor Auftritten zu nehmen.

Im Interview spricht Siriusmo, wie ungewohnt es für ihn war an einem Album zu arbeiten, wie er sich Geräusche manchmal aufmalt, welche Verbindung zu seinen Mentoren von Modeselektor besteht und über einiges mehr!

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Von Matthias Hummelsiep

Modeselektor – Immer die Coolsten sein.

Zementwerk Rüdersdorf Nr. 2 (Foto von dani30)Wer auf dem Land aufwächst, der hat nicht die größte Auswahl an interessanten Nachtaktivitäten. Wenn man Glück hat, ist bei irgendwem zu Hause eine Party, ansonsten bleiben Dorfdisko oder Jugendclub übrig. Rüdersdorf (bei Berlin) hatte durch die Zementindustrie allerdings einen Bonus. Die Ruinen der Zementwerke waren für coole Parties mehr als geeignet, das wußten auch Gernot und Szary. Beide sind in der Gegend rund um den idyllischen Kalksee aufgewachsen und irgendwann lernten sie sich unter diesen Umständen kennen.

Irgendwann hielten es die beiden Partyboys in ihren Brandenburger Käffern nicht mehr aus, zumindest was die Parties anging. Die wilde Technoszene im kaputten Ostberlin der 1990er war verlockend und bald fanden sie sich dort regelmäßig wieder, zum Beispiel im Tresor.

Interview mit Modeselektor (Foto von Jorge Nuñez)Heute haben Gernot und Szary ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie veranstalten Parties à la Modeselektion, betreiben das Label Monkeytown Records und sind als Duo Modeselektor heißbegehrt auf den Line-Ups dieser Welt. “Wir sind einfach zwei Kunden, die ohne Musik nicht leben können”, bringt es Gernot auf den Punkt.

Viel unterwegs sein heißt wenig in Berlin sein: Kommen da noch Heimatgefühle für Rüdersdorf und Woltersdorf auf? Das wollten wir wissen, als wir Beide Anfang Februar bei ihrer Modeselektion in der Maria getroffen haben. Soviel sei gesagt, für Beide ist es jedes Mal eine Reise zurück in die Realität, wenn sie mit Kind und Kegel zu den Eltern auf das Land rausfahren. Im Gespräch ging es auch um staubige Brötchen der immergleichen Bäckersfrau, um Szary’s alten Schuppen im Garten und sie erzählten, warum die Gemeinde Rüdersdorf für ein Konzert anfragte. Geplaudert haben wir auch über Lampenfieber vor Konzerten, was sie zu Moritz aka Siriusmo für eine Verbindung haben und noch einiges mehr!

Ein paar Zukunftspläne konnten wir Modeselektor auch entlocken. Eine neue Platte ist im Anmarsch, eventuell dieses Jahr auch noch eine neue Modeselektion und im Herbst geht’s mit Sascha Ring in der Formation Moderat ins Studio. Hier gibt’s aber erstmal das Interview zum Nachhören!

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(oberes Foto: dani30 bei piqs.de, Foto Modeselektor: Jorge Nuñez)

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Von Matthias Hummelsiep

Fatboy Slim – Hinter’m Tresen der Big Beat Boutique

Fatboy Slim by Milan Gonzales

Es war das Ende des Sommers 2010 und auf dem Flughafen Tempelhof. Der mythische Ort war Schauplatz für das Berlin Festival 2010: Tausende von Menschen waren hier gelandet um die Musik ihrer Lieblingskünstler zu feiern.

Samstag, der 10. September, war ein langer Tag voller Sonne und Musik. Morgens um 2:30 Uhr hatte ich einen Termin zum Interview mit Norman Cook: einen  Mann, der 20 Pseudonyme hat, von denen der wichtigste und bekannteste Fatboy Slim ist. Im Gegensatz zu seinen anderen Pseudonymen ist Fatboy Slim ein richtiges Alter Ego – eine Künstlerpersönlichkeit; die anderen Namen hat er sich nur ausgedacht, damit er seine Tracks auch auf anderen Labels veröffentlichten kann.

Ausgezeichnet mit 9 MTV-Awards, mit einem Dutzend Alben, einigen DVDs und unzähligen EPs in seiner künstlerischen Biografie, macht Fatboy Slim, geboren am 31. Juli 1963, immer noch Party. An jenem Septemberabend 2010 lief es aber anders als gedacht – einige Minuten nach dem Interview, als ich Fotos von seiner Show machen wollte, hatten die Organisatoren und die Polizei die Entscheidung getroffen, das Berlin Festival für diesen Tag abzubrechen. Einer der Gründe: Sicherheitsbedenken angesichts der 21 Toten bei der Loveparade im Juli in Duisburg.

So ein Festival-Abbruch ist für Norman nicht neu: als er am 13. Juli 2002 eine legendäre Open Air-Party am Brighton Beach veranstaltete, wurde die Veranstaltung auch frühzeitig beendet – nachdem dort ein Mensch durch einen Unfall zu Tode kam. Statt der erwarteten 60.000 Besucher kamen über 250.000 zur der kostenlosen Strandparty! Ob es danach wie beim Abbruch des Berlin Festivals zu Flaschenwürfen durch wütende Besucher kam?

Beinahe 30 Jahre legt Norman Cook nun Schallplatten auf, seit 1985 lebt er von der Musik und spielte in Bands. Hat er da noch Träume? Ja – einen Filmsoundtrack möchte er machen – und noch sucht er nach den richtigen Film. In der Zwischenzeit spielt er mit einer iPhone-App herum, mit der Nutzer Fatboy Slim-Tracks zu DJ-Sets zusammenmischen können. So kann jetzt jeder seine mobile Big Beat Boutique eröffnen.

Das Interview:

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(Foto: Milan Gonzales)

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Von Milan Gonzales

The Field – Trance aus Kleinteilen

The Field Portrait von Milan Gonzales

Mit Trance als Unterform elektronischer Tanzmusik verbinde ich eigentlich die frühen neunziger Jahre: Cosmic Baby, Voov oder Mijk van Dijk. Axel Willner aka The Field hat aber das fast Unmögliche geschafft: er hat nicht nur das Genre re-definiert, nachdem es über ein Jahrzehnt in den Händen geldgieriger Chartsklaven gewesen ist. Mit seinem ersten Album “From Here We Go Sublime” hat The Field tatsächlich das Genre international wieder groß gemacht. Denn seine Debütplatte ist im Ranking auf Metacritic im Jahr 2007 auf Platz 1 gelandet -  für einen elektronischen Akt absolut außergewöhnlich. 2009 kam der Nachfolger “Yesterday And Today” und bescherte eine Weiterentwicklung des  hypnotischen Millisekunden-Trance. Nachdem Axel Willner knapp vier Jahre lang auf Tour in der Welt unterwegs war, arbeitet er zur Zeit an seinem dritten Album. Deshalb war es auch ein großer Glücksfall, dass er bei der Club Transmediale auftrat, denn seine Live-Auftritte sind derzeit rar. Doch wenn man schon mal in Berlin lebt, kann man sich auch kurz ins Taxi schwingen und hinfahren. An guten Tagen kommt dann ein Konzert, wie das in der Maria am Ostbahnhof vom 4. Februar 2011 heraus.

The Fild live von Milan Gonzales

Das komplette Interview und Live-Set von The Field zum Anhören:

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(Fotos: Milan Gonzales)

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Von Jens Baudisch

Morton Subotnick, 77, Elektronikpionier

Morton Subotnick (by Milan Gonzales)Er war Miterfinder des allerersten analogen Synthesizers und ist mittlerweile 77 Jahre alt, doch Morton Subotnick denkt noch lange nicht daran in den Ruhestand zu gehen. Zu viele Projekte hat er am Laufen und zu viele Ideen und Visionen für die „Zukunft“ hat er in seinem Kopf, die er mit der Welt teilen möchte. Morton Subotnick setzt sich ein für die kreative Förderung von Kindern und dafür entwickelte er auch ein ausgeklügeltes Programm: „Creating Music“. Außerdem schreibt er gerade an einem Buch, dass eben diese spezielle „Unterrichtsmethode“ erklärt und eine Art Anleitung für die Erwachsenen im Umgang damit bietet.

Auch „Zeit“ ist kein konkreter Begriff für den Kalifornier. Zukunft und Vergangenheit können sowohl in der Musik, als auch im Lebensverlauf nicht mehr so wahrgenommen werden, wie es früher vielleicht der Fall war: „Die meisten Leute wachsen heran mit der Vorstellung, dass das Leben wie ein Zug ist. Es gab eine Vergangenheit und der Zug bewegt sich vorwärts. Aber wenn man anfängt über Zeit zu denken als eine Art Klecks, der sich in allen Richtungen zur selben Zeit befindet, verändert sich alles was man tut. Die Art über alles Mögliche zu denken, verändert sich. Es wird also nichts mehr ersetzt. Wir ergänzen nur noch und alles bleibt.“

Morton Subotnick im HAU1 (by Hariklia Woutsas)

BLN.FM traf den „Großvater des Techno, den Großvater von Electronica“ (so nennen ihn übrigens andere, er selbst sieht sich nur als zufälliger Begleiter und Mitgestalter der Entwicklung elektronischer Musik)  während der Club Transmediale 2011 zum äußerst philosophischen Interview. Hier könnt Ihr euch das Gespräch On Demand anhören:

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Ausschnitt aus der elektronischen Klangperformance von Morton Subotnick im HAU1 am 31.01.2011:

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Von Hariklia Woutsas

Seismographen der digitalen Musikkultur

Club Transmediale 2010 by photophunkJan Rohlf und Remco Schuurbiers gehören zu den Organisatoren der Club Transmediale, und das schon seit vielen Jahren. Das heißt: jedes Jahr auf’s Neue loslegen, jedes Mal einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt setzen, neue Künstler aufspüren und Projektideen umsetzen. Auch der Kampf um die finanzielle Unterstützung des ambitionierten Programms beginnt jedes Jahr auf’s Neue. Jan und Remco erarbeiten das inhaltliche Programm des Festivals, Jan macht zudem die Öffentlichkeitsarbeit und Remco hat den technischen Überblick. Ein Blick hinter die Kulissen der Club Transmediale!

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Kottbusser Tor by Oliver Mann

Die Club Transmediale ist nach Meinung der beiden Organisatoren nicht nur ein Festival aus Spaß an der Freude, sondern auch ein Statement. Experimentelle Medienkünste sind ein mittlerweile florierendes Subgenre. Doch darin liegt gleichzeitig auch ein Problem.

Woran es der Berliner Szene fehlt, was die CTM in die Wege leiten möchte und warum Berghain, Maria am Ostbahnhof und das HAU die richtigen Festivalpartner sind:

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CTM11_banner_480Das diesjährige Festival steht unter dem Motto “#Live!?”. Das bedeutet aber nicht nur, dass nur Parties und Konzerte mit Live-Performances im Zentrum des Interesses stehen. Auch bei den Workshops und Gesprächsrunden geht es um das Thema, was “live” im digitalen Zeitalter für Kunst und Musik bedeutet.

Ist es wichtig zu wissen, ob jemand live spielt oder nicht? Was bedeutet “live” überhaupt? Ein paar Denkanstöße von Jan Rohlf:

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(Foto: photophunk)

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Von Matthias Hummelsiep

Schnipp-Schnapp-Avantgarde: Vladimir Karaleev

Vladimir Karaleev. Foto: Milan Gonzales

Die Fashionshow des aus Sofia stammenden Designers Vladimir Karaleev, mit dem Ihr am Ende dieses Artikels ein Interview findet, bewies: Mode und Kunst sind eng verwandt. Der Konzept-Designer legt bei seinen Kreationen großen Wert auf Kontinuität und auch seine Winterkollektion 2011/12 präsentiert sich als ästhetische Einheit.

Vladimir Karaleev. Foto: Milan Gonzales

Vladimir Karaleev. Foto: Milan Gonzales

Sie zeigt für Karaleev typisch avantgardistische Schnitte, unvernähte Säume und Reißverschlüsse als Dekoelemente. Gern werden auch unterschiedliche Materialien miteinander vernäht. Farblich umfasst die Palette seiner Kreationen Grau, Schwarz, Camel, Sandtöne, Violett und dunkle Balutöne.

Vladimir Karaleev. Foto: Milan Gonzales

Vladimir Karaleev. Foto: Milan Gonzales

Vladimir Karaleev. Foto: Milan Gonzales

Graue, schlichte Kleider mit kunsvollen Details an der Hüfte und zweiteilige Kreationen,  bei denen sich über schwarzen Unterkleidern kleiderartige Überwürfe in Camel drappieren waren zu sehen. Aber auch die besonderen Schuhmodelle waren einen oder mehrere Blicke wert. Hier gab es Stiefel, deren Absatzes an der Innenseite und deren sichtbare Seite der Sohle mit Zacken verziert waren.

Vladimir Karaleev im Interview mit Agata Waleczek. Foto: Milan Gonzales

BLN.FM-Redakteurin Agata Waleczek hat backstage mit Vladimir Karaleev gesprochen und Interessantes herausgefunden.

Höre hier das Interview:

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Fotos: Milan Gonzales

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Von Agata Waleczek

Sweden rocks the Fashion Week Berlin

Ida Sjöstedts verspielte Modekreationen. Foto: Milan Gonzales

Wenn es keine freien Plätze mehr gibt, dann gibt es etwas zu sehen: In diesem Fall die Gruppenshow der drei schwedischen Designerinnen Ida Sjöstedt, Diana Orving und Camilla Norrback. Ihre Show ist Teil des Events “Swedish Fashion Goes Berlin”, über das wir bereits in unserer Preview berichtet haben.

Ida Sjöstedts verspielte Modekreationen. Foto: Milan Gonzales

Den Anfang machte Ida Sjöstedt mit feenhaftem Kitsch. Roséfarbene Korsagen, Tüllröcke  und Satinkleider über cremefarbenen Strümpfen und Spitzenleggings und ein Print, zu dem sich die Designerin von Kristallen inspirieren lassen hat, waren Teil der Glitzer-Winterkollektion. Viel Durchsichtiges in Pastell also, das vielleicht nicht ganz wintertauglich, dafür aber märchenhaft- ironisch wirkt.

Moderedakteurin Agata Waleczek war backstage bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin und hat Ida Sjöstedt für BLN.FM  interviewt.

Höre hier das Interview:

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Diana Orvings Winterkollektion 2011/12. Foto: Milan Gonzales

Die zweite im Bunde war Diana Orving, die ihre Kreationen gern am lebenden Subjekt kreiert. Ihre Mode wirkte schon wesentlich dunkler und tragbarer. Schnittbetonte Teile wie beispielsweise ein asymmetrisches, schwarzes Businesskostüm mit Rock und eine Wollfilz-Weste mit runden Löchern für die Arme waren hier die Hingucker.

Diana Orvings Winterkollektion 2011/12. Foto: Milan Gonzales

Diana Orvings Winterkollektion 2011/12. Foto: Milan Gonzales

Das Finish servierte Camilla Norrback mit erfrischend lässigen Kreationen, die unter anderem Senfgelb mit Schwarz und Grau kombinieren. Ein smaragdgrüner Samtjumpsuit und lustige Deatils wie spitze Schultern am braunen Mantel und Hosenträger überm Minirock machten ihre Runwayshow zu einem sehenswerten Event.

Wenn Ihr mehr zu Camilla Norrback wissen möchtet, findet Ihr unser Interview mit der Designerin hier.

Camilla Norrbacks Mode. Fotos: Milan Gonzales

(Fotos: Milan Gonzales)

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Von Agata Waleczek

Die Kunst, aus Sojabohnen Mode zu machen

Designerin Camilla NorrbackSchweden kommt bei den Deutschen an: sei es Popsternchen Robyn, Stieg Larssons Krimis, IKEA oder Absolut Vodka. Und demnächst kommt mit Camilla Norrbacks Gruppenshow auch schwedische Mode bei uns an.

Am 21. Januar um 15h wird die auf Ecoluxury spezialisierte Designerin mit Ida Sjöstedt und Diana Orving im Fashion-Week-Pavillon am Bebelplatz ihre Modekreationen zeigen. Die Fashionshow der drei schwedischen Designerinnen findet im Rahmen des Events Swedish Fashion Goes Berlin statt, zu dem auch eine Fotoausstellung, Fashion-Talks und Film-Screenings gehören.

Wir haben exklusiv mit Camilla Norrback über Fashion, Berlin und vieles mehr geplaudert.

Höre hier das Interview:

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Unsere Preview mit leckerer Musik zur Fashion Week 2011 in Berlin könnt Ihr Euch  hier anhören.

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Von Agata Waleczek

Herr von Eden, Gentleman von Welt

Herr von Eden - Designer Bent Angelo JensenNicht nur Bent Angelo Jensens Mode-Kreationen sind extrem stylish, auch der Hamburger Designer selbst ist ein echter Hingucker. Als moderner Gentleman verstößt er mit seinem Modelabel Herr von Eden gerne gegen klassische Stilregeln und interpretiert den Anzug neu. Das wissen unter anderem Dave Gahan von Depeche Mode, Jan Delay und Regisseur Fatih Akin zu schätzen. Doch auch die Damenwelt trägt heute Herr von Eden. Lady Gaga riss sich gleich zwei Brillenmodelle des Labels unter den Nagel und trug eins öffentlich spazieren.

Mit dem Fotografen Daniel Josefsohn ließ sich Jensen in den USA an den verrücktesten Orten inspirieren, so beispielsweise bei einem Gay Rodeo. Für die Kampagne  “1/2 Wild 1/2 Child” enstanden preisgekrönte Fotografien.

Ob Bent Angelo Jensen darauf stolz ist und was er zur Mercedes Benz Fashion Week in Berlin zu sagen hat, möchten wir Euch nicht vorenthalten.

Mehr dazu erfahrt ihr im Interview:

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Fashionkampagne von Herr Von Eden by Daniel Josefsohn

Die Preview mit leckerer Musik zur Fashion Week 2011 in Berlin könnt Ihr euch hier anhören.

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Von Agata Waleczek

“In Berlin ist die Mode in der Straße”

Rolf Scheider

Diese Brille, der unverkennbare französische Akzent: Das ist “Rolfe“, bekannt aus Germany’s Next Topmodel, wie viele ihn kennen und lieben. Doch Rolf hat natürlich viel mehr als derlei Offensichtlichkeiten zu bieten, zum Beispiel gut begründete Meinungen zum aktuellen Modegeschehen.

Was der Castingdirector, der selbst einmal gemodelt hat, von Berlin als Modemetropole hält, könnt ihr euch exklusiv im Interview bei BLN.FM anhören.

Zum Interview:

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Castingdirector Rold Scheider

Die Preview mit leckerer Musik zur Fashion Week 2011 in Berlin könnt ihr euch hier anhören.

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Von Agata Waleczek

Les Mads im Interview

Als Julia Knolle und Jessica Weiß im Frühjahr 2007 angefangen haben, über Mode zu bloggen, waren sie (in Deutschland jedenfalls) Pioniere. Mittlerweile sind Modeblogs international etabliert und ein wichtiger Bestandteil der Modeszene. Viele Blogger werden wie Redakteure von ehrwürdigen Magazinen,  Labels und Designern umschmeichelt und sitzen bei Modeschauen nicht selten neben den Promis in der heiß begehrten ersten Reihe.

In Deutschland ist Les Mads der vielleicht  einflussreichste Modeblog und für Jessica Weiß vom Hobby zum Beruf geworden. Jessica führt den Blog mittlerweile allein. Wir haben mit ihr über die Modestadt Berlin, ihre Highlights während der Fashion Week und ihre persönlichen Trends 2011 gesprochen. Ex-Kollegin Julia kam dazu, um mit uns über das gemeinsame Buch “Modestrecke” zu reden, das am 8. Januar im Berlin Verlag erschienen ist und während der Fashion Week präsentiert wird.

Die Buchpräsentation von “Modestrecke” mit Julia, Jessica, Getränken und Diskussion: 22.01.2011, Departmentstore Cabinet, Quartier 206 (Basement), Friedrichstr. 71, Berlin-Mitte, U-Bahn: Französische Str.

jessie büro

Das Interview zum Hören:

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Jessica, du bist mittlerweile eine der bekanntesten Modebloggerinnen in Deutschland. Kannst du dich noch an deine erste Fashion-Show erinnern?

Jessica: Ja, das war bei der allerersten Fashion Week hier in Berlin. Wir hatten mit ganz viel Glück und nur durch Zufall Tickets für eine einzige Show bekommen. Und zwar von Puma. Das Zelt war damals noch direkt am Brandenburger Tor aufgebaut, es war brüllend heiß und für uns war es wahnsinnig aufregend. Es hat ‘ne Band gespielt und wir kannten wirklich niemanden.

In den drei Jahren als Modebloggerin warst du ja wirklich viel unterwegs – auch in den großen Modemetropolen wie Paris oder New York. Mittlerweile wohnst du selbst in Berlin. Spielt Berlin jetzt in der gleichen Liga?

Jessica: Ich mag Berlin unheimlich gern. Es gibt wahnsinnig viele talentierte Designer in der Stadt, die wir auch immer promotet haben. Das werden wir auch in Zukunft machen. Und auch bei der Fashionweek zeigen super Designer wie zum Beispiel Mongrels in Common oder Perret Schaad. Insgesamt ist es natürlich so, dass Berlin keine internationale Modestadt ist. Aber das schafft außer den großen gängigen vier sowieso fast niemand. Aber nach wie vor macht es Spaß, in Berlin auf die Modewoche zu gehen.

Gibt es denn bei dieser Fashion Week für dich auch persönliche Highlights, Sachen auf die du dich besonders freust?

Jessica: Highlights gibt es immer wieder. Auf Perret Schaad freue ich mich auf jeden Fall sehr, den Collect Showroom werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Schön ist natürlich allein wegen der Größe immer Hugo Boss, und auf Mongrels in Common freue ich mich auch.

Auf Les Mads spielen sogenannten Tagesoutfits eine wichtige Rolle. Da zeigt ihr, was ihr zu verschiedenen Anlässen anhabt. Was ist denn für dich das große Mode-Ding 2011?

Jessica: (lacht) Da habe ich mir noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich glaube, ich bleibe nach wie vor bei den hochgeschlossenen Kragen und vielen Hemden. Am liebsten Seidenkleider und nach wie vor bleibt Spitze und Transparenz dabei. Und: die 1970er sind 2011 ziemlich präsent.

Julia Knolle kommt dazu.

julia, jessie mit buch DG

Während der Fashionweek präsentiert ihr euer Buch “Modestrecke”, das ihr zusammen geschrieben habt – auch wenn Julia Knolle mittlerweile nicht mehr bei Les Mads mitmischt. Julia, was hat es mit “Modestrecke” auf sich?

Julia: Das Buch ist so etwas wie eine Zusammenfassung der letzten drei Jahre zwischen Buchdeckel, auf Papier gepresst. Wir hatten eigentlich immer eine super Zeit zusammen. Als sich dann abzeichnete, dass ich aussteigen werde, kam das parallel mit dem Verlag einfach so zustande. Und im Nachhinein finden wir das eigentlich einen ganz schönen Abschluss für das Ganze.

Jessica, kannst du vielleicht noch etwas zum Inhalt von “Modestrecke” sagen?

Jessica: Es sind 52 Kapitel von Julia und mir geschrieben auf 222 Seiten. Es ist im Grunde genommen alles, was uns gemeinsam passiert ist in den letzen Jahren, was wir als besonders herausstechend empfinden und auch einen Einblick in das gibt, was nicht auf dem Blog präsentiert wurde.

Das Besondere daran sind die vielen kleinen Anekdoten. Julia, wenn du in 20 Jahren nach einer Anekdote vom wilden Leben als Modebloggerin gefragt wirst, gibt es da eine bestimmte, an die du dich immer erinnern wirst?

Julia: Da gibt es schon eine, aber die ist nicht öffentlichkeitstauglich. Es gab so einen Abend mit Jessie auf einem Münchner Hotelzimmer, da werde ich mich noch Ewigkeiten dran erinnern, weil wir so albern und aufgedreht waren. Und dann haben wir noch ein Video gedreht (lacht). Es gibt halt dieses Dokument und wir verhandeln immer mal wieder, ob wir das veröffentlichen wollen. Aber wir haben beschlossen, das als einziges für uns zu behalten. Wir waren ja sonst sehr fleißig dabei,  alles, was unser Leben rund um die Mode ausmacht, nach außen zu kehren.

Jessica, 2011 feiert Les Mads den vierten Geburtstag, auf was dürfen sich eure Leserinnen und Leser denn noch Neues freuen?

Jessica: Konkret kann ich das leider noch nicht sagen, was 2011 passiert. Aber es hat sich gezeigt, dass Stillstand eigentlich nie vorhanden war, es wird auch 2011 weitergehen. Das hat bestimmt auch mit unserem Netzwerk zu tun, was noch mit anderen Schreiberlingen ausgebaut wird. Hinzu kommen noch ein, zwei andere Gedanken, die noch formuliert werden müssen (lacht).

Hier gibt’s das komplette Interview zum Nachhören:

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Modestrecke Buch

Wir verlosen 2 Exemplare von “Modestrecke” von Julia Knolle und Jessica Weiß.

Einsendeschluss ist der 22. Januar 2010 und alles, was ihr dafür tun müsst, ist folgende Frage zu beantworten: Welchen Modetrend wollt Ihr 2011 nun aber wirklich nicht mehr sehen?

  1. (Pflichtfeld)
  2. (Pflichtfeld)
  3. (Pflichtfeld)
 

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Text, Interview und Fotos: Simon Hennke

Modestrecke Buch

Die Buchpräsentation von Modestrecke mit Julia, Jessie, Getränken und Diskussion:

22.01.2011, Departmentstore Cabinet, Quartier 206 (Basement), Friedrichstr. 71, U-Bahn: Französische Str. (U6).

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Von Simon Hennke

Sven Väth – Der DJ als Chef-Animateur

Sven Väth

Seine Karriere begann er im Frankfurter Club Dorian Gray, als er noch minderjährig in extravaganten Verkleidungen tanzend das Nachtvergnügen kennenlernte. Mama, Betreiberin einer Diskothek, hatte es erlaubt. Und Sven Väth ist sich treu geblieben. Performance ist auch heute noch immer ein wichtiger Teil seiner Shows. Da greift er gern zum Mikrofon und turnt vor. Müde ist er nach über 30 Jahren DJ-Karriere noch lange nicht. Im Prinzip sei er noch jedes Wochenende geflasht, sagt er BLN.FM. Und zwar dann, wenn er die begeisterten Partypeople auf der ganzen Welt sieht, die sich für die Nacht fantasievoll ausstaffieren und auf die Tanzfläche stürmen, um “einfach eine gute Zeit zu haben”.

Es war seine Mutter, die ihn zum Auflegen brachte, als er mit 16 von einem Trip auf die Hippie-Insel Ibiza zurückkam. Mit 17 hatte er dann schon seine erste Festanstellung in der Frankfurter Diskothek Dorian Gray. Das war Anfang der 80er. Sven Väth lernte so sein Handwerk gleich hinter den Reglern vor Publikum. Damals sagten DJs noch zwischendrin die Titel am Mikrofon an und spielten mittendrin deutschen Schlager. Mittags fuhr der Teenager in den Club und übte das Mixen mit “Thriller” von Michael Jackson und “Last Night A DJ Saved My Life”. Mama fand’s gut und das ist so geblieben: Auch heute kommt sie ab und an vorbei, wenn Sven in seiner Heimatstadt Frankfurt spielt.

Sven Väth Live

Ist ein DJ auch ein guter Produzent? Böse Zungen behaupteten, dass Väth auf die Produktionen anderer seinen Namen draufsetzte. Falsch, sagt Sven, die Ideen der meisten Produktionen kommen von ihm selbst. In den Anfangsjahren hatte er sogar die Instrumente mit eingespielt. Da kam dann zwar im jugendlichen Übermut auch mal so ‘ne Art HipHop-Reggae raus – aber Sven schämt sich nicht dafür, er lächelt drüber. Im Laufe der Jahre ging er dazu über, Produzenten anzusprechen um gemeinsam Ideen zu verwirklichen. Zuletzt fühlte er sich dann eher als der musikalische Direktor eines ganzen Teams. Das ist alles etwas her, denn Sven Väths letzte Produktionen liegen drei Jahre zurück – mit Elektro-Produzent Antony Rother war’s. Zur Zeit hat er keine neuen Produktionen in Planung. Schließlich hat er auch so genug zu tun. Die Plattenfirma Cocoon floriert, verschiedene Partyreihen und Festivals werden organisiert – so ein kleines Firmenimperium absorbiert viel Aufmerksamkeit.

Und da gibt es noch weiteres Gerede. Selbsternannte Experten mäkeln in Internet-Foren, dass Sven Väth zu denjenigen gehört, die Techno-Musik kommerzialisiert haben. Moment mal! sagt Sven: Die Musik sei 2010 immer noch genauso Underground wie früher. Techno findet schließlich in den Charts nicht statt. Jedenfalls nicht die Tracks, die Väth auf seinen Compilationen versammelt. So eine Kommerzialisierungs-Diagnose lässt sich auch nicht aufrechthalten, wenn man die erfolgreichsten Berliner Clubs abcheckt, in denen Techno gespielt wird. Oder gibt es jemanden, der sagt, dass im Berghain kommerzieller Sound läuft? Und mit dem Kommerz hat der Väth es sowieso nicht so. Er erinnert daran, dass er schon 2000 aus dem Zirkus um die Loveparade ausgestiegen ist, zu einem Zeitpunkt, als noch ganz viele hinter den Wagen in Berlin hinterherliefen.

Das viele Gerede um seine Person belegt, Sven Väth ist als einer der bekanntesten Protagonisten der elektronischen Feierkultur gern Zielscheibe für Spott, Häme und Persiflagen. Eine davon war The Shrine, eine Sample-Maschine mit kurzen Zitaten von Zwischenrufen Sven Väths, die von einer gehörigen Portion “guter Laune” zeugte (leider mittlerweile offline). Sven sind solche Spielereien egal, sagt er. “Klar kommen Leute auch auf die Parties, um mich berauscht zu sehen. Die Leute wollten schließlich unterhalten werden!” Und das sei natürlich seine Aufgabe.

Sven Vaeth - The Sound of the Eleventh SeasonMittlerweile veröffentlicht Sven Väth zum elften Mal eine Art persönlichen Jahresrückblick über die Hits der Saison: “The Sound of the 11th Season”. Und die Mischung ist bunt: angeschrägte House-Tracks von DJ Koze, gerader Techno von Speedy J, Elektronik von Plaid. Das passt ganz gut zu Svens Aussage, dass die Auswahl von Musik keine Routine für ihn ist. Musik begeistert ihn nach wie vor. Auch wenn die Qualität der Tracks, die ihm für sein Label angeboten werden, sich im Laufe der Jahre verschlechtert hat. Da meine mittlerweile jeder, er könne Musik machen. Plötzlich hört sich der Techno-Impressario genauso an wie viele Alt-Rocker, die ein bisschen nostalgisch sind. Und rät: Ihr jungen Produzenten – macht doch lieber eine richtige, solide Lehre!

Das komplette Interview mit Sven Väth:

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Aktuell: “The Sound Of The 11th Season” / Cocoon (als MP3 bei zero”)

[Tim Thaler, Alexander Schramm, Alexander Koenitz]

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Von Webredaktion

Etappenhasen – Delphic zwischen den Alben

Delphic“Delphic” (Bandname), “Acolyte” (Albumtitel/Songname) und “Halcyon” (Songname) sind Wörter, deren Bedeutungen zumindest für Nicht-Englisch-Muttersprachler im Verborgenen liegen. Es sind alles Worte, die auf Unbekanntes, Mystisches oder Religiöses verweisen. Doch die Band Delphic versucht gar nicht, irgendwelche versteckten Botschaften zu übermitteln. Sondern eher eine Art positiven Glauben: Auch wenn man sich verloren fühlt, hat man trotzdem seinen Platz in der Welt. Deshalb wählten sie für ihr Debütalbum den Titel “Acolyte” (= Messdiener). Eine ausführliche Review zum Album konntet ihr bereits auf BLN.FM lesen. “Halcyon” spielt auf “halcyon days” an – “die gute alte Zeit”. Die drei Musiker versuchen überall – auch im Negativen – eine gewisse positive Einstellung mit einzubringen.

Neben der Musik ist für die Band auch das Visuelle sehr wichtig. Klar, sie wollen, dass Promo und Video auch künstlerisch rüberkommen. Neben der Ästhetik wollen die drei Musiker aber auch zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel ihr Song “This Momentary”: Die Dramatik wurde vom Regisseur Dave Ma ins Visuelle übertragen. Er drehte nämlich in Tschernobyl, und die im Video abgebildeten Personen sind tatsächlich Leute, die noch immer in dem verstrahlten Gebiet wohnen.

Und Berlin? Haben die Delphic-Jungs eine besondere Verbindung zu dieser Stadt? Ja, denn hier nahmen sie ihr Album auf und spielten auch schon einige Male live. Berlin erinnert sie an ihre Heimatstadt Manchester. Eher nass und etwas düster – in den entsprechenden Jahreszeiten natürlich. Kreativ mit einer großen Underground-Szene. Überall entstehen neue Dinge. Außerdem lebt ihr Produzent Ewan Pearson in Berlin. Der kennt Berlin und die Elektronik-Szene – das hatte natürlich einen bereichernden Einfluss auf die Platte und die Band. So wurde Berlin zu einem zweiten Zuhause für Delphic.

Nach ihrer weltweiten Tour als Vorband für Bloc Party spielt Delphic jetzt selbst als Headliner vor ausverkauften Sälen. Sie selbst hätte das allerdings nicht verändert – sagt die Band. Sie tun, was sie tun wollen. Gerade haben sie ihr eigenes Label gegründet und schreiben schon an neuen Songs. Diesmal gehen sie allerdings anders heran als beim letzten Album: Weg von den Laptops, starten sie wieder mit guten alten anfassbaren Instrumenten. Nächstes Jahr soll dann das Album aufgenommen werden.

Delphic

Noch mehr Details und genauere Einblicke in die Band Delphic gibt’s hier im Interview mit der Band.

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Tracks im Beitrag:

  1. Acolyte
  2. Halcyon
  3. Clarion Call
  4. Doubt
  5. Counterpoint
  6. This Momentary

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Von Hariklia Woutsas

Disco Lento mit $.a.M. – Kiki Moorse im Interview

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Kiki Moorse ist der Elektro-Gemeinde bisher vor allem als Gründungsmitglied der Electroclash-Band Chicks on Speed bekannt, die sie 2007 verließ. Seitdem stand und steht die gebürtige Münchnerin als DJ, Gastvokalistin und mit ihrem Musikprojekt Bad French zusammen mit Andreas Reihse auf den Clubbühnen Europas. Auch der neuste Wurf von Kiki hat seinen Ursprung noch in ihrer Zeit bei den Chicks on Speed. Bei einer Chicks-Show in Barcelona war ein gewisser Servullo Mendez fürs Make-up verantwortlich. Die beiden trafen sich dann bei einer Party in Berlin wieder, verstanden sich gut und so wuchs  heran, was heute $.a.M. – $ervullo und Moorse – ist. Eine Musikduo, das gut in die späte Berliner Nacht passt.

„Disco Lento“ nennen die beiden ihre Musik – langsamere Elektrosounds, die gerade live gespielt eine epische Intensität erreichen. Beim ersten $.a.M.-Konzert im Berliner Underground-Club Mindpirates/Café Endlager wurden sie dabei von einer maskierten Cellistin unterstützt.

Und überhaupt: Das Visuelle, der Stil spielt eine sehr große Rolle bei $.a.M. Servullo steht im Jean-Paul-Gaultier-Vintage-Outfit auf der Bühne und lässt auf französisch mit seiner tiefen Stimme Bilder von legendären Nächten in der Modeunterwelt von Paris, New York und Berlin entstehen. Auch Kiki Moorse betont die Bedeutung von Mode und Stil im Konzept von $.a.M.: Bands, die in schwarzen T-Shirts auftreten, finden die beiden „einfach langweilig“.

Mode ist aber nicht nur das Bühnenoutfit – Mode als Kunst, aber auch als problematische Szene sind Themen in den Liedern. In „Mode á l’Envers“ geht es um die Kehrseiten der Modewelt, in „Kosmetika“ um die schwierige Beziehung von Männern zum namensgebenden Gegestand – ein sehr persönliches, fast autobiographisches Stück für Make-up-Artist Servullo Mendez. Aber auch hedonistischere Tracks wie „Latenight Lovers“ gibt’s im Repertoire: Hier geht es um das Gefühl, das sich einstellt, wenn man bis zum Schluss einer Party bleibt und die Feiernacht nicht zu Ende gehen soll, obwohl es schon wieder hell wird.

Seit gut einem Jahr arbeiten Servullo und Kiki als $.a.M. an ihrer Definition von Disco Lento. Bisher gibt es vier Tracks und noch kein Label. Doch ein Album ist in Arbeit und diskutiert wird auch über eine Veröffentlichung in Eigenregie. Wir dürfen auf mehr gespannt sein und haben auch eine Kostprobe für euch. Zudem spielen $.a.M. live am 19.11. auf der Disko-Digital-Party im neuen Club 7000 in der Skalitzerstr. 54 in Berlin-Kreuzberg – Freikarten gibt’s hier!

$.a.M.  mit „Latenight Lovers“

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Kiki Moorse von $.a.M. im Interview:

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Hier das ganze zum Lesen:

BLN.FM: Was ist $.a.M.?

Kiki: “$.a.M.” ist ein Projekt von Servullo Mendez Rey und Kiki Moorse, das bin ich. Wir haben im Herbst letzten Jahres angefangen und bis jetzt vier Stücke produziert. Unser Produzent hier in Berlin ist Frank FXYZ. Ja, und die Musikrichtung nennen wir „Disco Lento“.

Kannst du noch ein bisschen genauer darauf eingehen? Ich war ja schon auf eurem ersten Konzert, aber was können sich die Leute unter $.a.M. live vorstellen?

Kiki: Also wir haben zum Teil Balladen, ziemlich persönliche Balladen mit elektronischer Musik. Und dann haben wir auch Gäste mit Analoginstrumenten. Also bei unserem letzten Auftritt zum Beispiel im Mindpirates/Café Endlager in Berlin hatten wir Boram Lie von Kaleidoskop, die wunderbar Cello gespielt hat.

Vielleicht ein paar Worte zur Geschichte von $.a.M. – Also Du kommst ja von “Chicks on Speed”, bist seit 2007 nicht mehr da. Wie ist es dann zu $.a.M. gekommen?

Kiki: Servullo kenne ich eigentlich schon ziemlich lange. Wir haben uns vor Jahren in Barcelona bei einem Fotoshooting für die Chicks on Speed kennengelernt, da war er Beauty-Redakteur für eine spanische Zeitschrift. Und dann haben wir uns zufällig nach Jahren hier in Berlin wieder getroffen, und zwar im Jim. Und da hat er mir von seinem Musikprojekt Mendo$antos und ich ihm von meinem Projekt Bad French erzählt, was ich mit Andreas Reihse auch noch nebenher habe. Und dann haben wir uns nach einigen Monaten auf einer Party von Freunden noch einmal wieder getroffen, und er hat erzählt: „Ja, Mendo$antos gibt’s leider nicht mehr.“ Und  er hat mich gleich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihm zusammen was zu machen. Dann hab ich kurz überlegt, und wir haben uns ein paar Tage später im Studio getroffen und gleich die ersten Songs aufgenommen.

Servullo ist Make-up-Artist, hat lange in Paris in der Modebranche gearbeitet, ist Franzose, spricht aber auch super Spanisch. Wie läuft eure Zusammenarbeit, auf welchem Modus trefft ihr euch?

Kiki: Ja, lustigerweise war ich früher Moderedakteurin. Also vor Chicks on Speed war ich lange Jahre bei der Vogue in München freie Moderedakteurin. Und erst als ich mit den Chicks on Speed angefangen habe, habe ich mich nur noch auf die Musik konzentriert. Von daher hatten Servullo und ich schon sofort eine ganz gute Basis. Unser Projekt ist sehr auf Style und das Visuelle ausgerichtet.

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Schon in den Titeln eurer Tracks steckt Mode mit drin. Welche Rolle spielt denn das Visuelle? Wie wichtig ist das Äußere bei euren Auftritten?

Kiki: Das ist einfach sehr wichtig für uns. Wir mögen beide keine Acts, die einfach nur in einem schwarzen T-Shirt auftreten. Wir finden es einfach langweilig, und auch irgendwo respektlos dem Publikum gegenüber. Und es ist sehr wichtig für uns, sowohl im Privatleben, als auch auf der Bühne.

Zurück zur Musik – kannst du vielleicht ein paar Worte zu den Sachen, die ihr schon gemacht und aufgenommen habt, sagen?

Kiki: Also es gibt „Friends of Friends“ – das haben wir in Zusammenarbeit mit Li Man aus Beijing, China, gemacht und zwar per Filesharing. Weiterhin gibt es „Kosmetika“, „Mode a l’Envers“ und „Latenight Lovers“. „Kosmetika“ ist ein sehr autobiographisches Stück, was Servullo betrifft. Es geht dort um das Verhältnis, was Männer zu Kosmetik und zu Schminke haben oder nicht haben sollen. Bei „Latenight Lovers“ geht’s um die Letzten in der Disco, wenn man einfach nicht nach Hause gehen will, es ist ein richtiges Dance-Stück. „Mode a l’Envers“ zeigt die Kehrseite der Mode, da wird eine richtige Abrechnung mit einem Teil der Modebranche gemacht, mit dem Habitus in der Modewelt.

Seit einem Jahr ungefähr macht ihr zusammen Musik. Was kommt als nächstes? Was steht in der Zukunft?

Kiki: Als nächstes kommt natürlich der Single-Release mit den vier Tracks, die wir schon fertig haben. Und dann arbeiten wir weiter auf ein Album hin. Das sollen dann acht oder zehn Tracks werden, da haben wir noch ein bisschen was zu tun. Aber wir sind jetzt schon wieder im Studio, und kräftig am arbeiten, und an Ideen fehlt es uns wirklich nicht. Also ein Label gibt es noch nicht, aber wenn Labels interessiert sind (lacht): gerne melden!

Wir sind auf jeden Fall gespannt! Vielen Dank, Kiki Moorse.

(Fotos: Sonja Müller, York-Wegerhoff)

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Von Simon Hennke

Warren Suicide – “Knock Knock” On Your Door

Schokolade, Wein, Flugzeuganschläge. Warren Suicide beehrten uns im neuen BLN.FM Studio. Anlass waren ihre Tour durch Deutschland mit T.Raumschmiere und ihr neues Album, welches im Frühjahr 2011 erscheinen wird. Das Interview gibt es on demand zu hören und auch zu lesen. (08/11/2010)

Tracklist + Podcast

Robot Koch über Fortschritt und Feeling

robot koch pic

Am 1. Oktober erschien Robot Kochs neues Album “Songs For Trees And Cyborgs”, das in enger Zusammenarbeit mit seinem Label Project:Mooncircle entstanden ist (siehe BLN.FM Review). Im Interview gibt Robot Koch Auskunft über die Produktionsweise, sein selbständiges Schaffen mit Robots Don’t Sleep und erklärt, warum Musik – so wie er sie macht – viele autobiographische Züge hat.

Interview:

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Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?

2003 kam das erste Jahcoozi-Album heraus. Seit ich 15 bin, habe ich angefangen Musik zu machen und in einer Band gespielt. Damals aber eher Metal. Später kam ich zum Jazz. Über das Auflegen bin ich schließlich beim Hiphop und der Elektronik gelandet.

Definierst du dich eher als Teamplayer oder Solokünstler?

In erster Linie definiere ich mich als Produzent, der zum einen seine eigenen Projekte anschiebt, zum anderen für andere Künstler produziert. Jahcoozi ist mein Bandprojekt. Ich priorisiere allerdings keines der beiden, weil sie jeweils anders funktionieren.

Im Bandkontext muss man Kompromisse eingehen, was sehr interessant sein kann. Bei Jahcoozi bringe ich mich als Produzent und ein Drittel Bandmitglied ein. Natürlich haben Sasha und Oren auch ihren Anteil und somit ist es ein Gemeinschaftsprojekt, was auch spannend ist. Robot Koch dagegen ist 100%ig Ich. Ich mag beides ganz gerne, aber insgesamt sehe ich mich als Teamplayer.

Erst 2009 erschien – neben zahreichen Releases im Vorfeld – dein erstes Album “Death Star Droid”. Zwischendrin das Jahcoozi-Album und nun schon der Nachfolger. Wie kommt’s?

Ich denke nicht, dass ich mich besonders beeile, jedoch habe ich relativ viel Output und möchte ihn nicht ein Jahr lang in der Schublade liegen lassen. Ich mache jeden Tag Musik und veröffentliche natürlich nicht alles, was ich mache, da ich mir selbst eine hohe Qualitätskontrolle auferlege. Musikmachen sehe ich nicht als Arbeit.

Gab es irgendwelche Veränderungen in der Produktionsweise im Vergleich zum Vorgänger “Death Star Droid”?

Es ist eine Weiterentwicklung der Einflüsse, die mich inspirieren. Es spielen vor allem Hiphop und Elektro eine Rolle, aber auch viel Organisches und strukturierte Oberflächen. Daher auch der Name der Platte: “Cyborgs” steht für das elektronisch-avancierte und “Trees” für die Natur einschließlich der Fehler, die evolutionstechnisch passieren. Ich arbeite gern mit diesen Fehlern und weniger mit glatten Sounds. Dieses Prinizp habe ich weiterentwickelt.

Du produziert neben deinen eigenen Sachen auch andere Künstler. Ist deine Handschrift unweigerlich zu erkennen oder sind das überwiegend “Auftragsarbeiten”?

Andere Künstler, ein Majorlabel oder Werbefirmen kommen auf mich zu, weil sie kennen, was ich mache und diesen Sound suchen. Und das ist mir auch wichtig. Wenn beispielsweise ein Künstler auf dem ersten Album sehr konventionell geklungen hat und nun etwas eckiger und kantiger klingen soll, ist das der Grund, warum sie auf mich zukommen.

Du hast kürzlich deine Plattform Robots Don’t Sleep gegründet, bist aber bei Project: Mooncircle unter Vetrag. Was steckt dahinter?

Robots Don’s Sleep ist ein Metalabel. Es gibt Shirts, Brillen, den Blog. Es wird demnächst auch einen Verlag geben. Das ist eher eine Art Philosophie von mir, da ich vieles gleichzeitig mache und mich die Leute oft fragen, wann ich eigentlich schlafe. Außerdem ist es für mich kein Widerspruch, mit Projekt:Mooncircle – mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite – Platten zu releasen und gleichzeitig meine eigene Firma Robots Don’t Sleep zu haben, die vielleicht irgendwann auch Filme veröffentlicht wird. Es ist eine Marke, die ich gegründet habe und weiterentwickeln will.

Deine Arbeit muss also nicht zwangsläufig mit Musik zu tun haben?

Nein. Ich habe oft Ideen, die visueller Natur sind. Ich stelle mir vor, wie das Cover aussehen wird und arbeite eng mit 44Flavors zusammen, die meine Cover machen.

Steht demnächst eine Tour zum Album an?

Ja,  sie wird im Dezember und Januar 2010/11 stattfinden. Im Januar ist die USA-Tour mit Terminen in Los Angeles, San Francisco und New York, aber auch in Europa stehen einige Gigs an.

Wie kam dein Faible für elektronische Musik und HipHop zustande?

Hiphop hat nach wie vor einen großen Einfluss auf mich. Elektronische Musik reizt mich aufgrund ihrer Fortschrittlichkeit. Ich mag nichts Rückschrittliches, wie es teilweise im klassischen HipHop vorkommt, der sich gern selbst zitiert. Mich reizt nach-vorne-denkende elektronische Musik und das Feeling, das Hiphop durch den Groove, die Tanzbarkeit und die Verschrobenheit vermittelt. Also das Spannungsfeld zwischen etwas, das sich einem ver- und gleichzeitig erschließt. Es ist aber keine große Theorie dahinter. Insgesamt ist meine Musik die Summe der Dinge, die mich reizen. Beim Dubstep mag ich die Bässe sehr gerne. Bei elektronischer Musik mag ich die einzelnen Versatzstücke und die Art der Produktion. Außerdem mag ich den Soul, der im Hiphop mitschwingt. Alles in allem reizt mich die Kombination all dieser Dinge und das, was sich zwischen den Grenzen der Genres abspielt.

Wie entstehen deine unglatten und rohen Sounds?

Ich mache viel Field Recording – ich nehme Naturgeräusche oder Objekte auf und mache etwas daraus. Zum Beispiel baue ich mir aus einem Statikgeräusch oder einem Klicken eine Snare und überlagere das Ganze anschließend. Ich mache so meine Sounds selber. Die eingebauten Fehler haben eine Ästhetik, die ich gerne einfließen lasse.

Was sind deine Produktionsweisen und welche Tools spielen dabei eine Rolle?

Angefangen habe ich mit Freeware und Fruity Loops. Das ist aber schon lange her. Auch Magix Music Maker war dabei. Also alles absolute Basic-Tools. Schließlich kam Ableton Live auf den Markt, welches ich schon seit Version 1.0 benutze und mich dementsprechend damit auskenne. Das ist auch seit längerem, sowohl auf der Bühne als auch im Studio, mein Hauptwerkzeug.

Meine Produktionsweise würde ich als Mikroediting bezeichnen. Ich nehme sehr viel Audiomaterial auf und habe am Ende eine lange “Audiowurst”. Damit schließe ich mich ins Studio ein und schneide alles klein. Im Anschluß baue ich damit collagen-artig meine Sounds. Durch ihre unterschiedliche Herkunft haben die auch ihre Geschichte haben. Die “Listen To Them Fade EP” (erschien im Mai 2010/ Anm. der Red.) wurde beispielsweise komplett in Mexico aufgenommen. Jeder Audioschnipsel, der darin einfloss, hat somit auch etwas autobiographisches, selbst wenn nur ich davon weiß. Musik ist eben etwas Persönliches.

Anmerkung:

Die Verschriftlichung gleicht dem Audiomaterial nicht 1 zu 1, ist aber sinngemäß nahezu deckungsgleich mit der Vorlage.

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Von Oscar Vetter

Jesse aus Finnland – Musik ohne Regeln

Wenn elektronische Musik, dann wird in Finnland vor allem House gehört. Eine reichhaltige Technoszene wie bei uns gibt es nicht. Aufmerksamkeit erlangte das Land, zusammen mit Schweden, vor ein paar Jahren durch die Erfindung des Skweee-Styles, eine langsame, funkige, elektronische Mischung. Der Name (abgeleitet aus dem Englischen: to squeeze out) beschreibt das Herausquetschen von eigenartigen, charakteristischen Sounds aus Synthesizern.

Ana (links) und Keke sind Jesse

Jesse machen zwar keine Skweee music, aber sorgen mit ihrem trashigen Electro schon seit ein paar Jahren für Verwunderung im eher rocklastigen Finnland. Nach der durchgeknallten „Väliliha“ Platte (2007) starteten sie mit ihrem Debütalbum” KAIKKI!” (2008) auf Platz 29 der finnischen Charts durch. Besonders die Single-Auskopplung “J.E.Z.Z.E” zeigt, dass es nicht nur um musikalisches Geklöppel aus Spaß an der Freude geht, sondern dass Jesse sich die Freiheit rausnehmen, einfach loszujammen und zu schauen, was man mit Drum-Maschinen, Synthesizern, Schlagzeugen, Gitarren, Keyboards und anderem Werkzeug so anstellen kann.

Jesse beim Berlin Festival 2010 : Milan Gonzales für BLN.FM

Ihr letztes Album “Tum Tum Tum” (2009, alle Platten übrigens bei Gaea Records erschienen) könnte vielseitiger nicht sein. Einfach aufgebaut und fast schon ernst für die zwei Durchgeknallten ist “P.S. foto ois kiva”, ein solider, fast schon melancholischer Track. Fleißig gefrickelt wurde auch beim gerade mal 90 sekündigen “Välilutkutus”. Kräftige dunkle Bässe und Effekte, die ein wenig ihre Vorliebe für Kraftwerk durchscheinen lassen, deren kühle, technische Ästhetik sie bewundern.

In Berlin haben sie bereits 2008 auf der Popkomm gespielt. Vor einigen Wochen spielten Jesse auf dem Berlin Festival. Ein paar Stunden vor dem Konzert sprach ich mit Ana und Keke in ihrem Apartment in Berlin:

Hier gibt’s das Interview on demand:

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Von Matthias Hummelsiep

Paul van Dyk und Tim Renner wollen Sunshine Live für Berlin

JazzRadio 101,9 istpaul_van_dyk pleite – und die zuständige Behörde, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), hat die Radiofrequenz neu ausgeschrieben. Gleich 29 Interessenten haben sich beworben um bald auf 101,9 zu senden. Darunter befindet sich auch Sunshine Live, der deutschlandweit fast einzige Radiosender für elektronische Dance-Musik. Der Sender mit Sitz in Mannheim hat sich für das Projekt, endlich eine Lizenz im hart umkämpften Berliner Radiomarkt zu ergattern, Paul van Dyk und Motor FM-Erfinder Tim Renner als Partner ins Boot geholt.

Die beiden Promis des Hauptstadt-Musikbiz finden, es sei in Berlin höchste Zeit für einen Radiosender mit Dance-Musik. Laut Ulrich Hürter, Geschäftsführer von Sunshine Live, gab es die Pläne für einen Berliner Ableger des in Südwestdeutschland etablierten Dance-Radios schon lang.  Herausgekommen ist bisher nur eine UKW-Lizenz ganz weit draußen: Seit 1. Juli ist Sunshine Live über Antenne in Templin in der Uckermark zu hören. Mittlerweile hat man in der Sunshine Live-Zentrale jedoch eingesehen, dass man eine Lizenz für Berlin nur mit einem wesentlich eigenständigen Programm bekommt. Heißt konkret: Ein eigenes Berliner Studio mit Redaktion ist geplant, wenn’s mit der Frequenz klappt. Neben normalen Nachrichten soll es somit auch Meldungen aus Stadtkultur und Szene geben. Paul van Dyk und Tim Renner sind öffentlichkeitswirksame Gesichter, welche für die Ernsthaftigkeit der Absichten von Sunshine Live bürgen sollen.

Eine Ergänzung der Berliner Radiolandschaft ist das Projekt allemal. Doch auf einen experimentierfreudigen und szenebetonten Radiosender sollte man nicht hoffen. Denn eines bleibt Sunshine Live trotz seiner einzigartigen Musikfarbe: ein mainstream- und kommerzorientierter Dudelfunk. Sunshine Live Berlin müsste wohl schon deutlich anders klingen als der große Muttersender in Süddeutschland, um auf Akzeptanz bei wichtigen Protagonisten der Beliner Szene zu stoßen.

Sunshine Live-Geschäftsführer Ulrich Hürter im Gespräch mit Tim Thaler

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6 Kommentare
Von Bruno Dietel
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