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Underwater Love – A Pink Musical

Man kennt das ja: Da hat man so schöne Pläne für sein Leben, und dann kommt doch wieder irgendwas oder irgendwer dazwischen. In Shinji Imaokas aktuellem Film “Underwater Love – A Pink Musical” trifft Asuka eines Tages einen Kappa, der behauptet, er wäre die Reinkarnation ihrer vor langer Zeit ertrunkenen Jugendliebe, und schon ist es um den Lebensentwurf geschehen. Die Hochzeitspläne mit dem Chef der Fischfabrik, in der sie arbeitet, geraten dadurch gehörig durcheinander. Doch dass Aoki als Kappa just in diesem Moment auftaucht, hat eigentlich ganz andere Gründe als bloß das Verhindern einer unerwünschten Liaison.

Dies klingt doch eigentlich – bis auf die Anwesenheit eines für die westlichen Kulturkreise eher unbekannten Fabelwesens – ziemlich gewöhnlich für einen Plot. “Underwater Love” aber ist keineswegs gewöhnlich, sondern auf vielfältige Weise skurril. Denn hierbei handelt es sich nämlich um einen Pink Film. Diese Genrebezeichnung steht für Low-Budget-Filme, in denen Wert auf eine ungewöhnliche Darstellung von Sex und Erotik im Rahmen einer filmischen Erzählung gelegt wird. Ein positiver Nebeneffekt des geringen Budgets sind die aus der Unabhängigkeit resultierenden kreativen Freiheiten, die das Genre für die Geschichte des Films als Kunstform bedeutend werden ließen, auch wenn die große Zeit dieser Filme längst vorbei ist und sie selbst in Japan an kultureller Bedeutung verloren haben. Imaoka hat aber nicht bloß einen Pink Film gemacht, sondern ein Pink Musical – mit wirklich nahezu perfekt passender Musik von Stereo Total. Und wenn die Darsteller plötzlich in wilde Choreografien ausbrechen, erinnert das auf unterhaltsame Weise an Bollywood oder auch an Lars von Triers “Dancer In The Dark”. Ein weiteres die Skurrilität des Films steigerndes Moment sind natürlich die Charaktere aus der japanischen Mythologie. Zum einen ist da der als Kappa wiedergeborene Aoki, zum anderen tritt ein ständig rauchender Todesgott im Strickkleidchen auf, der ein bisschen wie ein bekiffter Reggae-Fan wirkt.

 

Wenn der Todesgott die Szene betritt und wenn zu den Klängen von Stereo Total synchrongetanzt wird, hat “Underwater Love” seine unterhaltsamsten Momente. Allerdings gibt es immer wieder Abschnitte, in denen die Komik nicht hundertprozentig gewollt scheint. Gleichzeitig fragt man sich aber, ob das wirklich an der Produktion selbst liegt oder ob man dabei vielmehr an seinen westlich-kulturell geprägten Sehgewohnheiten scheitert. Oder liegt es tatsächlich an kulturellen Gegensätzen, dass der dargestellte Sex so sehr nach Arbeitsleistung und so wenig nach Spaß aussieht? Auch wirken die Charaktere in ihrem Tun fast immer sehr kindisch. Dem Kappa kann man es nachsehen, es ist sozusagen seine mythologische Bestimmung, Schabernack zu treiben. Bei den anderen wirkt es nach einer Weile aber ziemlich anstrengend. Was sich manchmal als ironische Überzeichnung offenbart, macht an anderer Stelle einen irgendwie außer Kontrolle geratenen Eindruck.

Natürlich darf bei aller Kritik nicht vergessen werden, dass es sich hier um eine Low-Budget-Produktion handelt, die unter “one-take-only”-Bedingungen gedreht wurde. Angesichts dieser Tatsache verdienen die Choreografien einige Anerkennung. Außerdem hat der Kameramann Christopher Doyle, der unter anderem schon oft für Wong Kar-Wai gearbeitet und für seine Leistung bereits einige Preise erhalten hat (u.a. für das bildgewaltige Werk Hero), dem Low-Budget-Eindruck trotz zurückhaltender Bilder entgegengewirkt. Und auch wenn die Szenen manchmal befremdlich wirken, merkt man dem Film die Begeisterung an, mit der die Beteiligten aus aller Welt an das Projekt herangegangen sind.

Underwater Love – A Pink Musical (OmU), Erotik, Fantasy, Musical / Japan/Deutschland 2011, 87 min., seit 27.10.2011 u.a. im Sputnik-Kino, Hasenheide 54, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn: Südstern

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Von Andrew Jones

Neu in der Rotation (Woche 42/2011)

 

Wochentags von 1 bis 6 Uhr

Arkist – Rendezvous (SCB Edit)
Axel Bartsch – Morgengebet
Axel Bartsch – Yeahwoodya
Billy Dalessandro – Gun Smoke
Billy Dalessandro – Jozal
BNJMN – Primal Pathways
BNJMN – Wisdom Of Uncertainty
Burdeos – I Hope You Feel Better
Burdeos – I See Orion Sittin On The Beard Of An Intergalactic Whale (Sr. Aye Remix)
Cottam – Deep Deep Down (Vakula Remix)
Daniel Bortz – Other Life
Danilo Schneider – Edit Suite
Glenn Astro – Colored Sands Part 2
ill.Gates, Opiuo And Vent – TriLLogy
Jacaszek – Dare-gale
Kid Chocolate – Rosemary Brown’s Ghost
M83 – My Tears Are Becoming A Sea
M83 – Wait
Mark E – Call Me (Tensnake Remix)
Occam – Anzin
Occam – La Dolce Vita
Oneohtrix Point Never – Replica
Semihedonist – Black Swan
Sigha – HF029B2
Ten and Tracer – Doving Fluttercotes (Plaster Remix)
Xhin – Insides (Perc Remix)

Wochentags von 6 bis 10 Uhr

Dennis Jr. – Are You The One (feat. Christabelle)
Jullian Gomes – Love Song 28 (feat. Bobby)
La Zebra – The Extraordinary Voyage
Tycho – A Walk
Tycho – Daydream

Wochentags von 10 bis 13 Uhr

[o]beat – Furious Swing
La Zebra – Business As Usual
Mustang – Shooting Love (Radio Edit)
Sare Havlicek – Vibe On You (feat. Hannah Mancini) (Stevie Kotey & Manestar Remix)
Tyson – After You’re Gone (The Magician Remix)

Wochentags von 13 bis 14 Uhr

Bermuda Triangle – Spheres
Hammock – No Agenda
New Look – The Ballad
Occam – Passage
Tycho – Epigram

Wochentags 15 bis 18 Uhr

Beni – Someone Just Like You (Villa Remix)
Bermuda Triangle – Are We Still On For Tonight
Justice – Helix

Wochentags von 18 bis 20 Uhr

Afrowhitey – Jazzy (Instrumental)
Andeg Nimig – Crowhop
Clubfeet – Last Words (RAC Maury Remix)
Damu – Breathless
Dennis Jr – I Just Want To Stay
Jedi Mind Tricks – Target Practice (Instrumental)
Kid Chocolate – La Dernière Parade
Lana Del Rey – Video Games (Jamie Woon Remix)
M83 – Steve McQueen
Notic Nastic – Sunset Boy
The Irrepressibles – In This Shirt (Zero 7 Remix)

Wochentags von 20 bis 22 Uhr

120 Days – Osaka (Sidwho? Remix)
Addison Groove – An We Drop
Affkt – Pitaya
AM / TM – Mazelissimo!
AM / TM – Sfo-Ewr
Axel Bartsch – Mental Trainer
BNJMN – Open The Floodgates
Bozzwell – Ambition
Carlo Lio And Coyu – Mike Loves The Horn (Edwin Oosterwal Remix)
Daniel Bortz – Can’t Sleep At Night
Guy Andrews – Textures
Jay Lumen – The Journey Part 1
Jon Convex – Streetwalk
Justin Jay – How Goes The Dynamite
Mosca – Orange Jack
Mr. Beatnick – Dont Walk Away From My Love
Nick Harris – White Leather (Kiki Remix)
Scuba – M.A.R.S (DJ-Kicks)
Simon Garcia – Tears In Vain (Deetron’s Slave To The Rave Remix)
Troy Pierce – Next Exit Lost Lake (Dead Seal Remix)
Vakula – Dub As Always
Victor Maximiliano – X-25
Volta Cab – Cougar Street

Wochentags von 22 bis 1 Uhr

Akira Kiteshi – Transmission
Beaumont – CPX11
Birdy Nam Nam – Jaded Future
Blawan – Jackal Ter9′s
Boddika – Acid Battery
Cherlise – Love U Right (feat. Lil Wayne) (Instrumental)
Damu – Plasm
Damu – Ridin’ The Hype (feat. Trim)
Dubbel Dutch – B Leave
DVA – The Flute Tune (Maddslinky Remix)
Elro – La Porte De I’Enfer
George Fitzgerald – Shackled
ill.Gates – ill.Knowledge (Featuring Knowa Knowone)
Quest – Everybody In The Place
xxxy – Down Wit U

Freitags und Samstags 22 bis 0 Uhr

5ilver 5urfer – Through Barcelona To Berlin (Brabe Remix)
Birdy Nam Nam – Defiant Order
DJ Rashad – Grace
ill.Gates, Mat The Alien And Dash – Otoro
Isa GT – Funketa

Samstags und Sonntag ab 0 Uhr

DJ Dodger Stadium – MF Hustla
Drumattic Twins – Snake Byte
MJ Cole & Scrufizzer – Southern Electric (MJ Cole Dubb)

After Hour – Samstags und Sonntags ab 4 Uhr

Connan Mockasin – Faking Jazz Together (Michael Mayer Remix)
JT Donaldson – Gaia
Terrence Parker – Love’s Got Me High (Marc Romboy’s Systematic Soul Dub)

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Von Fabian Birke

Unsound 2011: The Caretaker

„Ich weiß nicht, was ich später genau machen werde“, sagte der in Berlin lebende Komponist BLN.FM nur einige Minuten vor seinem Auftritt. Was The Caretaker, mit bürgerlichem Namen Leyland James Kirby, im Endeffekt bei seinem Auftritt am 14.10. auf der Bühne des Krakauer Kinos Kijow zeigt, kommt eher einer Showeinlage gleich als einem gängigen Konzert. Zur Begrüßung rollt er sich zunächst vor dem Publikum in der ersten Reihe auf dem Boden umher. Das folgende Dröhnen wird von einem Film begleitet, der gestörte, fragmentarische Erinnerungen suggeriert. Bilder verblassen, es kommt zu visuellen Überlagerungen mit Aufnahmen des Universums. Die Musik scheint ein explosives Potenzial hinter alldem zu erahnen; als chaotisch-pompöser Soundtrack stützt sie die scheinbare Unlogik der Bildfolge, hinter der sich keine gängige Erzählung verbirgt. Irgendwann mischen sich kollektive Erinnerungen an historische Momente zwischen die Bilder. Es kommt zu einem musikalischen Schnitt – ein in knarzender Plattenspielermanier erklingender Engelsgesang wird von schwermütiger Kirchenmusik untermalt. Eine Geräuschkulisse, die im Nichts verhallt. Ein weiterer  Schnitt leitet einen musikalisch krass gegensätzlichen Abschnitt ein.

The Caretaker bei Unsound 2011  in Krakow 14.10.2011 by Anna Spysz

Will The Caretaker den Zuschauer vorführen, indem er ihn auf die Relativität der Wahrnehmung aufmerksam macht? Oder macht er einfach nur das, was ihm gerade Spaß macht? Letzteres mit Sicherheit: Am Ende ironisiert der gebürtige Brite, mit offenem Hemd singend, playback Elton Johns „Can You Feel the Love Tonight“. Die Reaktion des eher an brave Performances gewöhnten Publikums war überschwänglicher Applaus – viele fühlten sich vermutlich an den Klassenclown aus der Grundschule erinnert. Man meint zu verstehen, wieso Mr. Kirby dem Akademismus des Techno-Bildungsklüngels um das Elektronik-Magazin “The Wire” den Stinkefinger gezeigt hat. Er brach schließlich mit 16 die Schule ab.  Und genau das akademische Palaver mit all seinen Kategorisierungen hasst James Kirby. Andererseits geht es um ein bisschen mehr, als das bloße Aufmucken des nächsten Enfant Terrible, das übermäßige Rebellion und Alkoholexzesse thematisiert.

http://www.youtube.com/watch?v=PAC510Zhozk&feature=related

Schon die konzeptuelle Konsequenz seines im Juni 2011 erschienenen, elektronischen Albums “An Empty Bliss Beyond this World” legt nahe, dass er kein planloser Anarchist ist. Der bereits durch sein Projekt V/Vm bekannte Künstler präsentiert auf dem Album einen spannenden Balanceakt in geloopter Ballroom-Jazz-Ästhetik zwischen nostalgischer Melancholie und der zwanghaften Rückbesinnung auf längst verlorengegangene Momente. Sein neuestes Album  “Eager to Tear Apart the Stars”ist am 3. Oktober 2011 auf seinem eigenen Label “History Always Favours The Winners” erschienen und bewegt sich wie sein Vorgänger in den Sphären experimentellen Ambients, ist jedoch spürbar schwermütiger geraten. Man kann nur hoffen, dass The Caretaker selbst nicht wie sein Sujet angedeuteter Erinnerungen aus dem kollektiven Gedächtnis verblasst, denn: “This guy could in fact know, what he is going to do and it could be really interesting.”

Foto: boomkat, Anna Spysz / Unsound

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Von Agata Waleczek

Turnier der Sponti-Künstler

West Berlin Gallery

Ein Gallerie in Mitte, ein Donnerstag Abend, ein paar junge Leute und Design – die West Berlin Gallery präsentiert am 20.10.2011 den nächsten Vector Lounge Grafik-Battle. Hat nichts mit Mathe oder Chillout zu tun, sondern eher mit viel Energie und Innovation.

“Vector Lounge” gab’s zum ersten Mal vor zwei Jahren. Guillaume von der West Berlin Gallery und seine Pariser Freunde aus dem Café Dune wollten mal etwas Außergewöhnliches im Kunstbereich anstellen. Das Konzept ist folgendes: in 2 Städten lässt man jeweils 4 Grafiker gegeneinander antreten. Jeder hat 30 Minuten Zeit um live zum spontan gestelltem Thema eine Grafik herzustellen. Gezeichnet wird auf einem Tablet, dessen Bildschirm auf die Wand projiziert wird. Parallel dazu wird das Tablet des Gegners projeziert. Der sitzt diesmal beim Designkollektiv Jaguar Shoes in der Londoner Brick Lane. Wir erwarten harte Konkurrenz, verspricht Ceyda von der West Berlin Gallery.

West Berlin Gallery

Die Wettbewerber der letzten Lounges kamen bisher aus Paris und Kopenhagen. Die letzte Ausgabe drehte sich um die Wahlen in Berlin und Dänemark – ein perfektes Thema für Karikaturen.

Die Grafiker gehen die Sache wegen dem Zeitdruck mit viel Energie an. Die Zuschauer fiebern mit und sehen auf der Wand, wie Zeichnung entsteht. Am Ende sind sie selbst gefragt: in der Woche nach dem Wettstreit darf im Internet über die beste Grafik geurteilt werden. Der Gewinner kriegt bei der Endrunde neben dem Lob einen Preis von Tablet-Hersteller Wacom.

Normalerweise entdeckt man in einer Gallerie Kunst, die schon verkaufsbereit ist – hier geht es um den spontanen, kreativen Prozess. Dazu gibt’s viel Musik, eine gute Bar und interessante und interessierte Leute.

20.10.2011 20 Uhr, West Berlin Gallery, Brunnenstraße 56, Berlin-Mitte, U-Bahn: Bernauer Straße

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Von Amélie Heldt

Unsound 2011: Im Endlager der Popkultur

Ziemlich clever, die Organisatoren des Krakower Unsound-Festivals für experimentelle elektronische Musik! Ihr diesjähriges Motto „Future Shock“ kann so vieles bedeuten, das sich in die Veranstaltungen des Festivals so ziemlich alles reinpacken läßt, was an avancierter elektronischer Musik aktuell unterwegs ist. Gleichzeitig kann Rückschau gehalten werden. Denn das Motto verweist auf den gleichnamigen Bestseller vom Futuristen Alvin Toffler, der darin 1970 erklärte, wie das heraufziehende Computer-Zeitalter das Leben der Menschen ändern wird. Der namensgebende „Future Shock“ ist Überforderung und Lähmung von Menschen angesichts der Masse an Informationen und Neuheiten.

Die Prognosen Tofflers waren in der Vorinternet-Ära populär und inspirierten die Gründergeneration des Techno, allen voran Juan Atkins in Detroit. Der Name seines Labels Metroplex läßt sich im Toffler-Buch zurückverfolgen, ebenso wie der Epoche machende Genrebegriff „Techno“. Mit dem Vokabular und den Ideen fühlten sich die Detroiter Kids Mitte der 1980er als Avantgarde eines kommenden post-industriellen Zeitalters.

Unsound 2011 Artwork

Heutzutage gehört Techno aus Detroit hingegen zu einer vergangenen Zukunft. Das wissen die Macher des Unsound-Festivals. Sie haben bereits auf dem Plakat die Zukunft in die Vergangenheit verlegt. Das Motiv erinnert an die Aufsteller der Videotheken vor 15 Jahren, welche B-Movies beworben haben. Die Veranstaltungsdaten sind mit der falschen Jahreszahl 1970 versehen, dem Erscheinungsjahr des titelgebenden Buches „Future Shock“. Das ist programmatisch zu sehen: denn es geht vor allem um die Zukunft von Gestern. Und die Zukunft von 1970 sind die 1980er, die nicht nur „No Future“ kannte, sondern die radikale Zukunftsvisionen der Prätechno-Bewegung.

Juan Atkins und Model 500 by Wassyl Abdoun

Höhepunkt ist einer der raren Auftritte von Juan Atkins Band Modell 500. Vor einiger Zeit hat der Detroit-Pionier beschlossen, mit seiner Musik aus den 1980ern wieder bei Techno-Großveranstaltungen dieser Welt aufzutreten. Was er zusammen mit Mad Mike, Mitbegründer von Underground Resistance, auf der Bühne bietet, wirkt jedoch 2011 unfreiwillig obskur: übersimple Industrial-Musik wird brav mittels digitalem HighTech reproduziert. Juan Atkins, adrett gekleidet im Anzug, schnarrt einpeitschend ins Mikrofon, an seiner Seite seine grimmig dreinblickenden Weggefährten. Die übersteuerte Musik aus den Boxentürmen im Hauptraum des Teatr Nova Lazia tut eigentlich nur weh. Diese Wiederaufführung ehemals revolutionärer Musik durch Mitvierziger ist massiv unspannend, denn die Zukunftsmusik von damals klingt heutzutage nur noch laut, übersimplifiziert, zombiehaft. Sie wird beim Gig ordentlich abgefeiert – aber sowas passiert auch bei Oldie-Konzerten wie man sie auch aus dem Rock’n’Roll-Betrieb kennt. Nun ist also das Genre Techno auch soweit! Es ist etabliert und alt genug, dass die Detroiter Techno-Radikale ihre Altersversorgung durch solche Gigs sicherstellen.

John Foxx beim Unsound 2011 von Wassyl Abdoun

Noch weiter zurück geht es am folgenden Tag, an dem John Foxx, namensgebender Teil der 1980ies Wave Pop-Band Ultravox, zusammen mit den Postrockern von The Maths auf der Bühne neues Liedmaterial intonierte. Vorgestellt wurde das gemeinsame Album „Interplay“. Die Songs sind zwar angeblich ziemlich neu, aber hören mit ihrem simplen Songwriting steinalt an, so wie der meiste Wave-Krempel, der auf Berliner Flohmärkten vergessen vor sich herumrottet. Also absoluter Liebhaber-Kram, nostalgisch bis ins letzte Loch – dargeboten von einem ehrenwert ergrauten Protagonisten, der recht häufig auf die Hilfe seines Textbuches angewiesen war.

Chris & Cosey bei Unsound 2011 von Wassyl Abdoun

Schon davor geben Chris & Cosey eine Geschichtsstunde, zwei Mitgliedern der 1980ies-Elektro-Pioniere Throbbing Gristle. Hier geht’s deutlich psychedelischer zu. Auf den stramm durchlaufenden, simplen Synthie-Beat, der mal stampfend Industrial vorgibt, an einigen Stellen aber auch schon bereits funky in Richtung Acid House tänzelt, singt Cosey oder greift in den reichhaltigen Instrumentenpark. Ein durchaus sympathischer Auftritt mit Überlänge, denn nach ungefähr einer halben Stunde sind bereits alle musikalischen Elemente der recht einfach gehaltenen Songs durch Wiederholung hinlänglich bekannt.

Gerade im Vergleich zu vielen neuem Material der nachfolgenden Generationen wird deutlich: Das was mal Epoche gemacht hat, weil es fundamental neu war, wirkt nach mehr 25 Jahren der „Techno“-Evolution verstaubt und limitiert. Es wirkt nicht mal liebenswert obskur, wie die Elektronik der 1970er. Das beweist sich vor allem im Kontrast zu anderen Konzerten auf dem Unsound-Festivals, allen voran dem Showcase des Not Not Fun-Labels mit LA Vampires und den digitalen Alleinunterhaltern Maria Minerva (Foto, BLN.FM-Rezension) und Dylan Ettinger. Trotz einiger Gemeinsamkeit mit ihren Ahnen, der Liebe zu Synthies und Lied-Strukturen, hat deren elektronischer Weirdo-Bedroom-Pop genau das, was den 1980er-Ahnen abgeht: Dynamik, Lebendigkeit und Verspieltheit. Der ließ das Publikum denn auch begeistert tanzen und jubeln: insofern ist die Gegenwart mit der vergangenen Zukunft durchaus gleichauf.

 (Fotos: Wassyl Abdoun, Agata Waleczek)

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Von Alexander Koenitz

Zu viel Underground ist auch nicht gesund

Da können wir Berliner noch so viel meckern – zum Beispiel über gemeingefährliche Leihfahrradkolonnen, omnipräsente Gehwegblockierer oder bierselige Partystraßenbahnen – ohne den Tourismus wäre unsere Stadt wahrscheinlich nicht mehr nur scheinpleite, sondern schon längst verhungert. So scheint es zumindest, denn wenn die Medien in letzter Zeit endlich auch mal etwas Positives über die Berliner Wirtschaft berichten, hat es meistens mit der Tourismusbranche zu tun. Für gute Statistiken braucht die Hauptstadt dabei noch nicht mal gutes Wetter, denn ein nicht unbedeutender Teil der Anziehungskraft liegt wohl in der Berliner Subkultur, und die hat ja quasi immer Saison. Als moderner Subkultur-Tourist grast man also kaum mehr die altbekannten Sehenswürdigkeiten ab, sondern möchte stattdessen etwas unglaublich Einzigartiges erleben. So verlässt man dann die kulturellen Trampelpfade und macht sich auf die Suche nach dem möglichst wahren Untergrund – wie so mancher Berliner auch, wobei der dann mit aller Kraft versucht, den vergnügungswütigen Besuchern wenigstens ein paar kleine Schritte voraus zu sein.

Urban Exploration ist im Grunde die mehr oder weniger sportliche Extremform eines solchen Wettlaufs. Hierbei geht es darum, verlassene und vergessene Orte zu erkunden, wobei man beim illegalen Betreten der zerfallenen Gebäude einige Gefahren in Kauf nimmt – im echten Leben jedoch wohl weniger drastisch, als es in Andy Fetschers Film “Urban Explorer” geschieht: Vier Jugendliche aus aller Welt – die Französin Marie (Catherine de Léan), die Koreanerin Juna (Brenda Koo), Lucia aus Venezuela (Nathalie Kelley) und ihr US-amerikanischer Freund Denis (Nick Eversman) – treffen auf Kris (Max Riemelt), der den touristischen Urban Explorern ein einzigartiges Berlin-Erlebnis verspricht, nämlich Zugang zu dem seit vielen Jahrzehnten verlassenen “Fahrerbunker” mit seinen nationalsozialistischen Wandmalereien. Als der erfahrene Tourguide aber nach einem tiefen Sturz schwer verletzt auf dem Boden eines Schachts liegt, begeht die Reisegruppe den schwerwiegendsten Fehler, den man als Protagonist in einem Horrorfilm wohl begehen kann: man trennt sich. Und während das Liebespaar bei dem Verwundeten Wache hält, suchen die beiden anderen Mädchen den Rückweg, um draußen Hilfe zu holen. Währenddessen taucht wie aus dem Nichts der ehemalige NVA-Grenzsoldat Armin (Klaus Stiglmeier) am Unfallort auf und bietet seine Hilfe an. Doch schon bald dämmert Denis und Lucia, dass irgendetwas mit dem Mann nicht stimmt.

“Urban Explorer” wurde ausschließlich vor realer Kulisse gedreht, und Andy Fetscher, der nicht nur für die Regie, sondern auch für Kamera und Schnitt verantwortlich ist, visualisiert in vielen ästhetischen Einstellungen nicht bloß die Faszination, die von diesen geheimnisvollen Orten ausgeht. Auch das Unheil, das die Protagonisten in der Dunkelheit erwartet, lässt sich erahnen, wenn kleine Nebensächlichkeiten aus der morschen Umgebung in den Fokus der Kamera rücken. Jenseits der Ästhetik scheint der Film jedoch zunächst nicht so richtig in die Gänge kommen zu wollen, denn oft wirken die kleinen Schreckmomente zu sehr konstruiert, so dass man sich beinahe fragt, ob sie nicht bloß als eine Parodie auf Genrekonventionen gedacht sind. Spätestens wenn der hilfsbereite Armin nach und nach sein wahres Gesicht zeigt, zieht das Tempo des Films immerhin endlich an, was vor allem an Klaus Stiglmeier liegt, der mit seiner Darstellung des Psychopathen eindrucksvoll zeigt, wie ungesund Wehrdienst für die menschliche Seele sein kann. Die unvermeidliche Jagd auf Leben und Tod schlägt dann immer wieder den einen oder anderen erwartungsgemäß überraschenden Haken, und in schnellen Bildschnitten wird die Phantasie des Zuschauers angeregt, in den angedeuteten Umrissen das Schlimmste zu erkennen.

Wer einen durchweg ernsthaften und realistischen Horrorfilm erwartet, könnte von “Urban Explorer” wohl enttäuscht sein – unterhaltsam ist der Film trotz allem. Und an sich liefert das Drehbuch ein recht schönes düsteres Gedankenspiel auf die verborgenen und verbotenen Orte im Berliner Untergrund. Sehenswert ist neben Bildästhetik und Kulisse vor allem die Figur des Mörders. Stiglmeiers Armin ist, wenn er nicht gerade gewaltsam Leben beendet, so unscheinbar seltsam, dass er sogar als Berliner Fahrkartenkontrolleur durchgeht. Der Kontrolleur ist immer der Mörder, sozusagen der Gärtner des Berliner Untergrunds. Nicht ohne Zynismus mahnt jedoch die Schlussszene: Gärtner und Fahrkartenkontrolleure sind auch nur Menschen – auch wenn sie heimlich hauptberuflich meucheln.

http://www.youtube.com/watch?v=4-R1WGdiBEw

Urban Explorer, Horror / Deutschland 2011, 94 min., ab 20.10.2011 im CineStar CUBIX am Alexanderplatz, Rathausstr. 1, Berlin-Mitte, U-/S-Bahn: Alexanderplatz

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Von Andrew Jones

So war’s: Kraftwerk 3D-Konzert in München

Mit ihren selbsternannten “Musikgemälden” verstörten und faszinierten sie die schlager- und rockgetränkte Musikwelt der 1970er Jahre, aber auch Hip Hop-Pionier Afrika Bambataa ließ sich von ihnen bei seinem Track “Planet Rock”, der heute als erster Hip Hop-Track überhaupt gilt, inspirieren. Für viele haben Kraftwerk den Grundstein für Technomusik gelegt, als sie in ihrem Düsseldorfer Kling Klang-Studio in sperrigen elektronischen Instrumenten und selbstgebauten Konsolen eine gewisse Seelenverwandtschaft ausmachten und so ihren heute legendären Maschinensound erzeugten.

Die gebetsmühlenartige Anerkennung ihrer Verdienste klingt oft nach musikwissenschaftlicher Mottenkiste, gerade weil sich an ihrem Erfolgsrezept, ausformuliert in den 1970er und 1980er Jahren, bis heute kaum etwas geändert hat. Dennoch sorgen die vier Musikarbeiter immer noch für nervöse Unruhe unter Fans und Medien, wenn sie sich mit einem ihrer raren Konzerte zurückmelden. Gleich dreimal an zwei Tagen traten sie Mitte Oktober in der Münchner Alten Kongresshalle auf, um die von ihnen entwickelte Kraftwerk 3D Video-Installation im Kunstbau Lenbachhaus (noch bis 13. November) zu bewerben. Seit Jahren spielen sie auf dem Globus ein kaum verändertes Showkonzept, in München wurde nun eine komplett für die 3D-Brille konzipierte Show präsentiert, die mit allerlei neuen Visuals zu den Songs und räumlichen Effekten aufwartete. Jubel bricht aus, als in der kleinen, holzgetäfelten Halle das Licht ausgeht. Die kraftwerksche Robovox-Stimme leitet wie bei jedem Konzert den Abend ein: “Meine Damen und Herren / Heute Abend, die Menschmaschine / Kraftwerk!” Jetzt schnell die 3D-Brille aufsetzen und schon breiten die vier Roboter synchron ihre Arme vor einem aus. Vor der Leinwand stehen die echten Kraftwerker in dunklen Synthetik-Anzügen an ihren Pulten – “Wir sind die Roboter” dröhnt es durch die ausverkaufte Halle. Ihr Repertoire ist zum großen Teil lange vor dem digitalen Zeitalter entstanden, wo Computer noch so groß wie Schränke waren. Trotzdem gelten sie als Vordenker und produzierten wie in “Computerwelt” Gesprächsstoff, der heute aktueller nicht sein könnte: “Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard / Finanzamt und das BKA, haben unsere Daten da / Automat und Telespiel, leiten heut die Zukunft ein / Computer für den Kleinbetrieb, Computer für das eigene Heim.” Auch ein bisschen zum Schmunzeln irgendwie.

Durch den 3D-Effekt rückt man dem Mensch-Maschinen-Konzept noch ein Stückchen näher, die vielen bekannten Videoschnipsel und Kraftwerk-Symbole wirken noch intensiver. Die vier Männer bleiben beim Anblick des Spektakels am unteren Brillenrand immer erkennbar und bleiben somit Teil des Ganzen. Bei ”Vitamin” blubbern Tabletten in überdimensionierten Wassergläsern vor einem, Kapseln und Pillen fliegen durch den Raum, man mag sie fast greifen wollen und einige probieren es auch. Der “Transeuropa Express” donnert einem auf weißen Gleisen und schwarzem Hintergrund entgegen, wie aus der Hubschrauberperspektive fliegt man an ihm vorbei. Zum süßlich-muffigen 80er-Sound von ”Spacelab” beamt uns Kraftwerk ins Weltall. Fantastisch dieser räumliche Blick auf die Erde und das vorbei fliegende Spacelab. Manchmal gibt’s kleine Momente der Irritation, mit dem Ton stimmt etwas nicht. Kein Anlass zur Sorge, kurz werfen sie sich Blicke zu und spielen routiniert weiter, auch eine Menschmaschine ist nicht fehlerfrei.

Von der Empore aus sieht es eher nach Sonnenfinsternis aus, wenn man auf die knapp 1500 im Licht flackernden Köpfe mit 3D-Brillen blickt. Vorne bedienen derweil die Soundtüftler ihre Tastaturen, ziehen Regler und drücken Pedalen mit dem Fuß. Als Roboter bewegen sie sich kaum zur Musik, sind nur auf ihre Technik konzentriert. An der distanzierten Haltung zum Publikum hat sich also nichts geändert, eine gespannte und sterile Atmosphäre. Die Stimmung wird trotzdem immer bierseliger: “Die Leute wollen Musikgeschichte erleben, deswegen sind sie hier”, sagt mir einer am Bierstand im Foyer und verschwindet rasch mit vier vollen Bechern im Saal. Wenn unter Johlen die Autogeräusche eines alten Käfers zu hören sind, trashig, geschwungene Reklamestreifen rumblinken und sich über kultig antiquierten Stil einer vorangegangen Zeit amüsiert wird, ahnt man: Kraftwerk ist mittlerweile auch ein wenig zu deutscher Folklore mutiert. “Elektronische Volksmusik” nannte Bandleader Ralf Hütter ihre Musik in einem ZDF-Interview. Kraftwerk ist die vielleicht wertvollste Konserve deutscher Popmusik, auch inhaltlich sind sie dabei aktueller denn je, wenn man sich heutige Diskussionen um Atomkraft, Vorratsdatenspeicherung und größtmögliche Mobilität anschaut.

Am Ende des Konzertes zeigt Hütter, der als einziger noch von der ursprünglichen Formation übrig geblieben ist, wie sehr er immer noch Spaß an allem hat. Er formt mit seinen Händen ein Herz, als Dank für den pausenlosen Jubel. Dann stellt er sich schlafend, legt den geneigten Kopf auf seine Hände, kniet sich soweit runter, bis er mit Kopf und Händen auf seine Tastatur sinkt und die Töne anspielt. Eine ungewöhnliche Gefühlsregung für einen Kraftwerker.

Insgesamt betrachtet faszinieren Kraftwerk noch immer mit ihren Ideen von damals, das bleibt auch im zeitgemäßen 3D-Gewand so. Als eine Art Aufforderung für jüngere Musikingenieure ist vielleicht aber folgender Satz zu verstehen: “Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen” ist zu den wummernden Bässen von “Aerodynamik” vorne zu lesen. Mit “Musik Nonstop” ist die Show vorbei, einer nach dem andern verlässt die Bühne, bis nur noch Hütter da steht und die letzten Akkorde anschlägt. Er schaut auf sein Handgelenk, als ob da eine Uhr wäre. “Haben irgendwelche Clubs noch auf in München?”, fragt er in die Menge. Dann geht auch er von der Bühne, verbeugt sich und verschwindet hinterm schwarzen Vorhang. Mal sehen, wie lange Kraftwerk dieses Mal untertauchen. Bis zum 13. November kann man sich zumindest noch die einstündige 3D-Installation in München in der Ausstellung über Kraftwerk anschauen!

(Fotos: Matthias Hummelsiep)

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Von Matthias Hummelsiep

Neu in der Rotation (Woche 41/2011)

 

Wochentags von 1 bis 6 Uhr

Aerosol – Woke Up in A Dream
Alexei Kawolski – Les Volcans Marins
Billy Delessandro – Gun Smoke
Billy Delessandro – Jozal
Billy Delessandro – Sirens Of Titan
Burdeos – Jupm, Jmup (Ralp Remix)
Burdeos – Opaque Stars Part1 (Angel Galan Mix)
Conforce – Aquinas Control
Conforce – Elude
eO – Nethers – Dubstep Twilight Mix
Février – Held (feat. Aaron Cherof)
Jackle App – Ta An Cat Ainm
Patrick Bolton – Malfunction
Patrick Bolton – Mental Stimulation
Patrick Zigon – The Alpha State
Pixelord – In The Mine
Richelle – Somewhere Secret (Canblaster Remix)
Sbtrkt – Wildfire (Objekt Dub Mix)
Space Dimension Controller – Max Tiraquon
Space Dimension Controller – Tiraquon’s Return (A New Home)
The Black Dog – Dissident Bleep
The Please – Abodigital Dishwasher
The Subs – Decontrol (Jimmy Edgar Remix)
Zed Bias – Lucid Dreams feat. Falty DL
Zed Bias – Night Lovers feat. Sam Frank

Wochentags von 6 bis 10 Uhr

Good Guy Mikesh and Filburt – Gold Snake
Mercury – Special Place
Nebraska – Time Has Come
Soulpersona Starring Princess Freesia – Coochie

Wochentags von 10 bis 13 Uhr

Cadillac – Make You Feel (Marcos Cabral Remix)
Loud-E – Peppermint
Nebraska – Phthalo Blues
Psychemagik – Feelin Love
Simone Fedi – Bitter Devotion (Ewan Pearson BandAPella Remix)

Wochentags von 13 bis 14 Uhr

Empyrean – Almagest
Lana Del Rey – Video Games
The Please – Sealed With A Kiss

Wochentags 15 bis 18 Uhr

Lana Del Rey – Blue Jeans (Penguin Prison Remix)
L-Vis 1990 – Shy Light (ft. Para One & Teki Latex)

Wochentags von 18 bis 20 Uhr

Detboi – Sanctuary Of Love ft. Mista Men (Radio Edit)
Dorothy’s Ghost – Once Upon A Time
Drake – Marvins Room (DJ Dodger Stadium Edit)
Fink – Perfect Darkness (Lapalux Remix)
London Electricity – Love The Silence (feat. Elsa Esmeralda)
L-Vis 1990 – I Feel It
L-Vis 1990 – One More Day (ft. Javeon McCarthy & Julio Bashmore)
Modeselektor – Berlin (Feat. Miss Platnum)
Modeselektor – Green Light Go (Feat. PVT)
Q-Tip – Work It Out (Disclosure Booty Call Edit)
Switch & Andrea Martin – I Still Love You
Viadrina – Night Drug

Wochentags von 20 bis 22 Uhr

Anna Stefani – Lost And Found
Dominik Eulberg – Teddy Tausendtod (Stephan Bodzin Marabu Remix)
Gerd – Palm Leaves
Martyn – Ghost People
Martyn – Viper
Martyn – We Are You In The Future
Mickey Moonlight – Close To Everything (The Martin Brothers Remix)
Midnight Magic – Drop Me A Line (Mano Le Tough Remix)
Noob – Spell
Pole – Silberfisch (The Mike Huckaby S Y N T H Remix)
Renaissance Man – What Do You Do When You Do What You Do (Matthew Herbert’s Little Liar Remix)
Rene Breitbarth – Moon Patrol
Ribn – Save Me (Vocal Version)
Space Dimension Controller – Flight Of The Escape Vessels

Wochentags von 22 bis 1 Uhr

Dexter – Great Northern Diver
Howse – Bangsless (The Range Remix)
James Blake – We Might Feel Unsound
Kidnap Kid – Taken
Krampfhaft – Hyper Dreaming
Krueger – Nou
London Electricity – U Gotta B Crazy
Martyn – Distortions
Modeselektor – Grillwalker
Richelle – I Think
Richelle – Somewhere Secret
Tete De Tigre – Fancy Dance (B-Ju Remix)
Whistla – Fluidic Space
Zed Bias – All Out feat. Mighty Moe

Freitags und Samstags 22 bis 0 Uhr

AC & Dell – Right Now (Clicks & Whistles Remix)
Buraka Som Sistema – Eskeleto feat. Afrikan Boy
DJ Lil’Tal – Pop Yo Back (Kaptain Kadillac RMX)
Krueger – Galactica (Sinjin Hawke Remix)
L-Vis 1990 – Neon Dreams
Pitchben – Time Machine
Sho Stoppa – Flaunt It (LOL Boys Remix)
Spank Rock – #1 Hit
The Supermen Lovers – C’est Bon feat. Herr Styler and Cristine (Golden Bug Remix)

Samstags und Sonntag ab 0 Uhr

Bert on Beats – Girl Ninja (Hortus Musicus Remix)
Buraka Som Sistema – Macumba (feat. Mixhell)
Sam Tiba – Trick Trick feat. Canblaster
Say Dubai – Coala

After Hour – Samstags und Sonntags ab 4 Uhr

Maya Jane Coles – Get Away (Subb-an Deeper Remix)
Robert Hood – Dancer
Silvercity Bob – Night Of The Frog
Ugly Drums – 2

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Von Fabian Birke

So war’s: HTRK und Kangding Ray auf dem Unsound 2011

In Krakow, der zweitgrößten Stadt Polens, findet vom 9.-16.10. das Unsound-Festival statt. Durch die hervorragende Programmgestaltung hat es sich mittlerweile zu einem Schaulaufen für die besten und interessantesten Bands im Bereich der avancierten elektronischen Musik entwickelt. BLN.FM läßt sich die Gelegenheit nicht entgehen und sammelt Eindrücke für Euch!

HTRK - live (by nikkisneakers)

„Party für das Weltenende“ proklamierte das Unsound-Programm für diesen Mittwoch, den 13.10., im Keller des Krakower Museums “Manggha”, das sich mit japanischer Kultur beschäftigt. Die apokalyptische Party scheint eine äußerst deprimierende Angelegenheit zu werden, wenn man den in-sich-gekehrten Auftritt von HTRK als Referenz heranzieht. Das Duo aus Australien hat gerade das Album „Work Work Work“ auf Ghostly International veröffentlicht. Dessen obskurer Höhepunkt ist eine Collage aus Telefonsex-Werbung auf Synthie-Chorälen und Schlurfbass. Ansonsten schwankt die Musik zwischen bedrohlich wabernden Drones, Mir-ist-alles-egal-Sprechgesang und verzerrtem Gitarren-Gegniedel.

Live gibt Sängerin Jonnine Standish die unterkühlte Domina, die mechanisch ihr Drumpad bearbeitet. Hallfilter entheben ihren genuschelten Gesang in entfernte Sphären. Dort befindet sich bereits ihr Gitarrist Nigel Yang. Der fummelt an verschiedenen Effekt-Reglern und zupft selbstvergessen an der Gitarre. Ein klarer Zusammenhang zwischen seinen introvertierten Aktionen und dem, was die Band an noisig-wabernden Witch House aus den Boxen kommen lässt, ist schwer herzustellen. Die dröhnigen Songs kreisen recht statisch um sich selbst, mit einigen guten Visuals (unter anderem von der polnischen PussyKrew) ist so ein Auftritt für eine halbe Stunde auch ganz gut erträglich. Aber dann denke ich an Portishead, welche in ihren schweren, melancholischen Liedern in ähnlichen Stimmungen schwelgen, und weiß: HTRK produzieren vielleicht eine passable atmosphärische Klangtapete für Freunde musikalisch breitgewalzter Niedergeschlagenheit, standesgemäß, aber langweilig, dargeboten mit einer Attitude aus Gleichgültigkeit, die als künstlerische Arroganz oder Menschenangst gedeutet werden kann. Aber es fehlt ihnen sowohl auf dem Album als auch live an Glamour und Raffinesse, mehr als eine eng begrenzte Fanschar anzusprechen – enthusiastischen Rezensionen von Musikfachblättern zum Trotz.

Musikalisches Kontrastprogramm bietet hingegen Robin Fox, der mit seinem Laser und Computer derzeit über europäische Kunstfestivals tourt. Mit seinen Ende 30, Anfang 40 erinnert er mit seinen langen Haaren, der Plauze und der legeren Kleidung an einen Tüftler des Computer Chaos Clubs. Wenn er beginnt, geht das Licht aus, der Laser an und die Nebelmaschinen pusten kleine Trockeneis-Schwaden in den Saal. Die Idee ist puristisch: Robin feuert Abfolgen von hohen und tiefen, langen und kurzen Tönen ab, welche den Laserstrahl modulieren: Sie ziehen ihn in die Breite, zerschneiden ihn auf mehreren Ebenen und positionieren ihn im Raum. Zuhörende finden sich in einem beweglichen Raum wieder, dessen Lichtwände sich rhythmisch ändern. Eine bekannte und beliebte Jahrmarktsattraktion mit einem deutlich begrenzten Vokabular an Gestaltungsmitteln, welche Robin Fox bis ins Extrem ausnutzt. Die rhythmisierten, synthetischen Geräusche kratzen, pfeifen, knattern, fetzen, knallen – der giftgrüne Laserstrahl folgt dabei. Robin Fox’ Umsetzung ist durch die Reduktion auf das Wesentliche ein gelungener Gegenentwurf zu kommerziellen Lasershows, in deren überreizendem Bombast die Verbindung zwischen Musik und Licht verloren geht. Sowohl in seiner äußerst minimalen Musik als auch in der Visualisierung verschwindet bei Robin Fox der Mensch als Schnittstelle zwischen Musik und ihrer Darstellung: das was wir hören können überträgt sich unmittelbar auf das, was wir sehen.

Abgeschlossen wird der Abend durch Kangding Ray. Dieses Frühjahr veröffentlichte der Franzose sein Album „OR“ auf Raster-Noton. Für den Live-Auftritt holt er sich Verstärkung: Ein Kollege dreht mit ihm Knöpfchen, ein anderer spielt ein digitales Schlagzeug. Das rund einstündige Set der Band reißt das Publikum von den Sitzen. Der Auftritt beginnt mit Dubtechno, der hypnotische Wirkung nicht mit langweiliger, verhallter Repetition der immer gleichen Versatzstücke verwechselt. Am Ende steht technoider IDM-Rave, der zu Liebesbekundungen seitens des Publikums führt. Kangding Rays Musik ist funktional wie sinnlich: Experimentelle Effekte und dröhnende Noise- und Bass-Flächen werden in Maßen eingesetzt, die helle Rhythmik der Tracks ist klar erkennbar, hat aber im Vergleich zu üblichen Produktionen in dem Bereich immer eine Kante mehr. Musik und Auftritt nehmen so sympathisch ein, dass man sie gar nicht in dem intellektuell eher unterkühltem Umfeld des Raster Noton-Labels vermuten würde. Vielleicht ist das auch der Grund, warum der aus Berlin kommenden Kangding Ray in der Stadt selbst noch nicht die Bekanntheit erreicht hat, die er beim tanzenden Publikum verdient. Das junge Publikum in Krakow freut sich jedenfalls über die Entdeckung: Es dankt ihm mit rhythmischem Mitklatschen und ausgelassenem Jubel – eine Erfahrung, welche Kangding Ray bei Kunst-Festivals und deren distinguiertem Publikum eher selten machen dürfte.

 (Foto: HTRK by nikkisneakers)

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Von Alexander Koenitz

Ford & Lopatin – Abenteuer in MIDI

Ford&Lopatin

Games, Software, Elektropop. Die zwei Amerikaner Ford & Lopatin sind große Fans von analogen Synthesizern und Drum-Machines aus den 1980er Jahren. Das sind die Geräte, die mit ihrem künstlichen und kühlen Klang die Popmusik der 1980er bestimmten. Ihr im Juni 2011 veröffentlichtes Debüt-Album “Channel Pressure” ist von dieser Soundästhetik bestimmt. Es ist ein Konzeptalbum, eine Elektropop-Oper, mit der die beiden in ihre Jugend zurückreisen, einer Zeit, in der sie gemeinsam zur Schule gingen und davon träumten gemeinsam in einer Fusion-Jazz-Band zu spielen. Die 14 Songs des Albums erzählen von Joel Rogers, der ein paar Eigenschaften von Daniel Lopatin und Joel Ford vereint. Im Jahr 2082 kämpft der jugendliche Held gegen Supercomputer, welche die Macht über Hollywood und die Musikindustrie ergriffen haben, musikalisch untermalt von sphärischen Klängen, Space Disco und verzerrten Vocals.

Wie tief stecken Lopatin & Ford wirklich in den 1980ern, der Periode, die sie – augenzwinkernd – überhaupt nicht cool finden? Im BLN.FM-Interview mit Ford & Lopatin checkte es Tim Thaler aus. Und landete bei Computerspielen der 1990er. Joel Ford verrät seine Lieblingsspiele auf der Spielekonsole Nintendo 64 und Daniel Lopatin enthüllt seine Vorliebe für Roger Wilcos “Space Quest” und andere Sierra-Adventures. Daniels Lieblingsfilm der 1980er ist “White Nights” – und Joel mag Sportschuhe dieser Epoche. Welche Pläne hingegen die Schulfreunde für die Zeit nach dem Ende ihrer musikalischen Karrieren haben, das erfahrt ihr im Video-Interview, das wir auf dem Tauron Nova Muzyka führen konnten.

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Von Leon Bollinger

Spezial: Audible Approaches For A Better Place – Teil 2

Im zweiten Teil unserer Spezialsendung zu c.sides, dem Label des Medienkünstlers und DJs Glitterbug haben wir Brand Brauer Frick, Caspar Clausen von Efterklang und Ronni Shendar interviewt. (10/10/2011)

Tracklist + Podcast

Neu in der Rotation (Woche 40/2011)

dj cam

Wochentags zwischen 1 bis 6 Uhr:

Actraiser – Terranigma
Burdeos – I See Orion Sitting On The Beard Of An Intergalactic Whale (Sr. Aye Remix)
DJ Cam – Seven
Four Tet – Locked
Gurun Gurun – Karumi (Offthesky Remix)
Htrspltn – Abhorrent
James Pants – I Told You (Short Version)
Roll The Dice – Cause And Effect
Roll The Dice – The Skull Is Built Into The Tool
Roman Flügel – Song With Blue
The Subs – Decontrol (Jimmy Edgar Remix)
vOPhoniQ – Mushroom
Zola Jesus – Avalanche

Wochentags zwischen 1 bis 6 Uhr:

Above & Beyond  – You Got To Go (feat. Zoe Johnston) (MJ Cole Vocal Mix)
Lord Echo – Wang East
Marius Circus – Don Englemoen
Marius Vareid – Sang Til Sara
Sneaky Sound System – Big (Always By Your Side) (Nicolas Jaar Big Version)

Wochentags ab 10 Uhr morgens

Newcleus – Jam On It (Martin Brodin Remix)
The Francis Inferno Orchestra – I Need It (Nicholas Basement Remix)
Twin Sister – Space Babe
Valmont – Let Your Down

Wochentags ab 13 Uhr mittags

Bermuda Triangle – Spheres
DJ Cam – Swim (feat. Chris James)

Wochentags ab 15 Uhr

Friendly Fires – Hurting (Benoit & Sergio Remix)
ill.Gates – Pick It Up (feat. Masia One & Bakaman)
Midnight Magic – What The Eyes Cant See
Sneaky Sound System – Big (Oliver Remix)

Wochentags ab 18 Uhr

Midday Moon
DJ Cam – Uncomfortable (feat. Chris James)
Jellphonic – Smack
Jess Mills – End Credits
Tropics – Mouves

Wochentags ab 20 Uhr

Axel Boman – Naomi
Deepchild – The Suffering Ones
Eli Escobar – Desire (feat. Nomi Ruiz) (Cocolores Remix)
Iron Curtis – Goma
Iron Curtis – You
Laid Back – Get High (Kasper Bjoerke Remix)
M83 – Midnight City (Trentemoeller Remix)
Morten Sorensen – Burn Down (LPZ Remix)
Phasen – Alive
X-Press 2 – Kill 100 (feat Rob Harvey) (UNER Remix)

Wochentags ab 22 Uhr

Actraiser – Tiger Road
Detboi – Sanctuary Of Love (feat. Mista Men)
ill.Gates And Captain Hook – Open Your Eyes
Kahn  – Illy
M83 – Midnight City (Team Ghost Remix)
Sepalcure – Deep City Insects
Son Of Kick, Night Drugs, RQM – From Here (Night Drugs Remix)
The Touch – All I Find (Lunice Remix)

Freitags und Samstags von 22 Uhr

Die Antwoord – Fish Paste (ill.Gates Remix)
Lindstroem – De Javu
TWR72 – Summer
Worthy, Eats Everything – Tric Trac

Freitags und Samstags ab 24 Uhr

The Subs – Decontrol (Blackstrobe Version)

Samstag und Sonntag ab 4 Uhr

Lee Webster – Hotel Groove
Silver City Bob – Night Of The Frog
Smash TV – Steroids To Heaven
The Alpha State – Strangers Paradise
Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Garden (Soul Clap Remix)

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Von Leon Bollinger

Bei Geld hört die Party auf

Gegenwind für's Berghain (by Fuzzipelz  / Wikicommons)

Eine böse Überraschung erlebten diesen Sommer zahlreiche Clubs in Berlin – darunter auch das Berghain. Das Finanzamt kündigte an, dass es Geld zurückhaben möchte oder einbehält – rückwirkend für die vergangenen Jahre. Für einige Berliner Clubs könnte sich das auf Millionenbeträge aufsummieren.

Der Hintergrund: Wer in Deutschland Konzerte veranstaltet, muss weniger Umsatzsteuern von den Einnahmen an der Tür abgeben. Statt 19% will der Staat nur 7% vom Umsatz durch Eintrittsgeldern haben. Es ist eine der zahlreichen gut gemeinten Steuersubventionen des deutschen Staates, aber eine der wenigen, die bislang der Clubkultur zu Gute kamen. Zahlreiche Berliner Clubs haben in den letzten Jahren ihre Eintrittgelder mit 7% versteuert. Denn 2005 urteilten die Richter des Bundesfinanzhofs, dem obersten Finanzgericht in Deutschland: “Eine “Techno”-Veranstaltung kann ein Konzert … sein.” Schließlich werden – so die Richter – in DJ-Sets Plattenteller, Mischpulte und CD-Player wie konventionelle “Instrumente” gehandhabt und nicht einfach Musikstücke hintereinander abgespielt. Techno-Parties können deshalb steuerlich so behandelt werden wie Konzerte, die Veranstalter müssen weniger Steuer zahlen. So sehen es auch die Künstlersozialkasse und einige Finanzämter, bei denen DJs ihre Gagenrechnungen einreichen.

Doch ein Berliner Finanzamt sieht das nicht so. Es ist zuständig für ein Gebiet, in dem auch etablierte Clubs wie das Berghain, Cookies und Weekend stehen. Von einigen Clubs fordert das Finanzamt nun, die Kasseneinnahmen mit 19% statt 7% zu versteuern. Und zwar rückwirkend auf die letzten Jahre. Da können dementsprechend Millionenbeträge zusammenkommen. Das tut weh, sagen uns einige Betreiber. Für kleinere Clubs könnten die Nachforderungen des Finanzamts den Ruin bedeuten.

Die Berliner Finanzverwaltung will zu ihrem Vorgehen nichts sagen und entschuldigt sich mit dem “weitreichenden Steuergeheimnis”. Lutz Leichsenring von der Berliner Clubcommission, einem Zusammenschluß vieler Berliner Clubs, hat sich die Argumente erzählen lassen, mit denen das Finanzamt seine Forderungen bei den Clubs begründete. Mitarbeiter hätten bemerkt, dass viele Parties nicht offen plakatiert werden. Es würde enorme Gästelisten geben. Das Publikum sei nicht wie in einem klassischen Konzert “dem Künstler zugewandt”. Und sowieso: In die Clubs gehen die Leute nicht wegen DJs und der Musiker hinein, sondern um gesellig mit anderen Leuten alkoholische Getränke zu konsumieren. Das hätten Mitarbeiter des Finanzamts beim Ortstermin in den Clubs persönlich festgestellt.

Genaue Definitionen, was ein Konzert oder eine konzert-ähnliche Tanzveranstaltung von einer ordinären Flirtparty in einer Diskothek unterscheidet, finden sich nirgendwo. Darum kann sich ein Finanzamt dazu entschließen, die Steuerangelegenheiten für Clubs ab sofort anders als das Finanzamt im benachbarten Berliner Stadtbezirk zu handhaben. Ein betroffener Clubbetreiber in Berlin hat es nun satt und will deswegen notfalls bis zum höchsten gerichtlichen Insatz prozessieren. Die Clubcommission möchte die Beamten mit Merkblättern weiterbilden, die vermitteln, wie heutzutage Konzerte funktionieren – damit sie avancierte Klubnächte in Berliner Szeneclubs von Flatrate-Parties in Großraumdiskotheken unterscheiden können.

Doch zu diesen Gegenstrategien gibt es von Seiten der Clubbetreiber auch skeptische Stimmen. Wer genau definieren will, was ein Konzert oder ‘konzertähnlich’ ist, der riskiert, dass die Festlegung auch nachteilig für ihn ausfallen könnte, gibt Stoffel, Betreiber des Watergate, zu bedenken. Und Ben de Biel, ehemals Betreiber der Maria am Ostbahnhof, findet Subventionen sowieso “kacke”: Am liebsten würde er die Steuervergünstigung für Konzerte ganz streichen – und einheitliche Steuern für alle Veranstaltungen festlegen.

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Von Alexander Koenitz

Neu in der Rotation (39/2011)

Wochentags zwischen 1 bis 6 Uhr:

∆bstract-ONE – Zero Gravity I
Aquarius Heaven – Can’t Buy Love (feat. Dani Siciliano)
Conforce – Desolate Ground
Deam – Riot
Ekoplekz – Skalectrikz Prologue #1
Great Skies – Light At The End Of The Tunnel
Jonah K – Night Terrors
Jonwayne – Grayscale
Kahn – Azalea
Kassem Mosse – GSO2
Korallreven – As Young As Yesterday (Girl Unit Remix)
Lackluster – Jack Of No Trades
Mister Tweeks – Numero Sept (Lucid Remix)
:papercutz & Pleq – Neptunian Moons
Radiohead – Bloom (Jamie xx Rework)
Rain Dog – One To Love
Robot Koch – Autodreams
Robot Koch – Nitesky
Rodriguez Jr. – Bare
Stateless – I’m On Fire (Blue Daisy Flammable Mix)
Sun Glitters – Too Much To Lose (Regal Safari Remix)
Torkelsen – Lavkarbovar
Vision Of Trees – Sirens (Novocaine) (The Voyeurist Remix)
When Saints Go Machine – Kelly (Shlohmo Remix)
Zomby – Hezagons

Wochentags ab 6 Uhr morgens

Casiokids – Elefantenes Hemmelige Gravplass
Great Skies – Festival
Move D – Untitled 3
This Is Head – 0007 (A Remix By Korallreven)

Wochentags ab 10 Uhr morgens

Chromeo – When The Night Falls (Sammy Saxy Bananas Remix)
J Boogie’s Dubtronic Science – Go To Work (feat. The Pimps Of Joytime)

Wochentags ab 13 Uhr mittags

Björk – Moon
Caged Animals – Transparent Castle
Dillon – You Are My Winter
Jonwayne – Rerev (YNQ Flip)
Lady GaGa – You And I (Metronomy Remix)
Static – Stubby Fingers
Underpass – Drift

Wochentags ab 15 Uhr

Casiokids – Olympiske Leker
Jubilants – Antics (Dublin Aunts Remix).
Justice – Audio, Video, Disco (Mickey Moonlight Remix)
Pinemarten – Why (Does Your Love)
Scarlet Chives – Easy Come Sit
The Human League – Sky (Plastic Plates Remix)
Tyson – After You’re Gone (Radio Edit)
VHS or Beta – I Found a Reason

Wochentags ab 18 Uhr

Cubic Zirconia – Summertime
Darkness Falls – The Void (Terje Bakke Remix)
Dillon – Abrupt Clarity
Korallreven – As Young As Yesterday
Mosca – Done Me Wrong
Nautiluss & Lord Skywave – Ultraviolet
Oni Ayhun – OAR003B (Korallreven Version)
Radiohead – Lotus Flower (SBTRKT Remix)
RD – You Got Me Burnin (MK Remix)
Robot Koch – Heal
We Love – Lightly

Wochentags ab 20 Uhr

Wasteland (Head High Remix)
Aquarius Heaven – Keep On
Aquarius Heaven – Summer Love
Christian Smith – Pitanga
Darkness Falls – The Void (Trentemøller Remix)
Denis Mikhaylov – Patrosha
Dorian Clein – Melanin (Clara Moto Remix)
Gritt – Axis
Gritt – Spill (Diablo Remix)
Himan – Images Inside My Head
Rodriguez Jr. – Niagadina
Rodriguez Jr. – Shapes I See
Voigt & Voigt – Synthesize
We Love – Ice Lips (Tale Of Us Remix)

Wochentags ab 22 Uhr

∆bstract-ONE – Lazer Rays
ASAP Rocky – Purple Swag (Jim-E Stack Bootleg)
Babe Rainbow – Give You Time (ft. Ashley Webber)
Burial – Street Halo
Champion – Lighter VIP
Egyptrixx – Liberation Front (Mike Q Remix Bok Bok Re-Edit)
Ikonika – World On Mute
Jermaine Soul – Yogyakarta
Lando Kal – Maneuver
Lucid – Walkingly Jaded (Mister Tweeks Remix)
Nautiluss & Lord Skywave – Blue Monday
Phon.o – ABAW 723
Robot Koch – Feel
Robot Koch – Glassdrops
SBTRKT – Golddigger
Throwing Snow – Shadower
XXXY – Kerpow

Freitags und Samstags von 22 Uhr

[o]beat – Furious Swing
Lexidinamo – Bobby Drives
Monkey Safari – Son

Freitags und Samstags ab 24 Uhr

Gun Selectah – Como Un Perro
Nero – Crush (Brodinski Remix)

Samstag und Sonntag ab 4 Uhr

Bart B More & Harvard Bass – The Funky One
Bion Fluger – Favourite Game
Cooly G – R U Listening
D-Dsign – Diamondz (Get Money Brenmar Edit)
Geiom – Pure Bristle
Mad Zach – Carazan
Mosca – Bax
Rustie – All Nite
Rustie – Hover Traps
Rustie – Surph
Schlachthofbronx – Carimbo
Starkey – Eris
Super Super – Suave
Toddla T – Streets So Warm
Wiley – Link Up (Alex D Remix)

 

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Von Webredaktion

Gus Gus empfiehlt: 3x Clubmusik aus Island

Bei elektronischen Exportschlagern aus Island fallen einem spontan Björk oder die Techno-Formation Gus Gus ein. Das Künstlerkollektiv Gus Gus gibt es seit 1995. Was hat die Insel musikalisch noch zu bieten? Wir haben President Bongo von Gus Gus gebeten, uns drei Projekte zu empfehlen.

Wenn etwas bei Gus Gus Kontinuität hatte, waren es das stetige Experimentieren mit Genres wie Downtempo, Ambient oder Breakbeat und die sich ständig ändernde Besetzung der Band. Biggi Veira (Birgir Pórarinsson) und President Bongo (Magnus Gudmundsson) sind seit Anfang an dabei. Daníel Áugúst und Sängerin Earth (Urdur Hákonardottir) hatten zwischendurch ausgesetzt und sind vor einiger Zeit zum Projekt zurückgekehrt. Beide singen im Video zur aktuellen Single “Over” über die Lebensdauer von langen Beziehungen. Der zuletzt hinzu gestoßene Högni Egilsson komplettiert die Gruppe.

Das aktuelle Album “Arabian Horse” (Kompakt, 2011) bietet großflächig arrangierten, fast schwebend leichten Trancetechno im 4/4-Takt. Gus Gus spielen am 3. Oktober in Berlin (BLN.FM verlost!). President Bongo verrät uns, welche drei Techno-Acts seines Heimatlandes er für wichtig hält.

DJ Margeir

DJ Margeir

Mit bürgerlichem Namen heißt er Jack Schidt. Margeir arbeitet zusammen mit President Bongo im Remix-Projekt Gluteus Maximus. Ihre Remixe für Trentemoller, Sigur Rós und Gus Gus erschienen auf Labels wie Kompakt und Pokerflat. Die beiden Aktivisten sind in der bunten Szene Reykjaviks tief verwurzelt, als Produzenten aktiv und kümmern sich auch um die Promotion für die Auftritte von Carl Cox oder Booka Shade auf Island. Für seine DJ-Sets holt sich DJ Mageir schon mal Streicher des isländischen Symphonieorchesters dazu und läßt Gus Gus-Mitglied Daníel Áugúst als Sänger ans Mikrofon.

Ghostigital

Ghostdigital

Die Musiker Curve und Einar Örn gründeten 2003 die Indie/Hip Hop/Electronica-Formation. Örn war schon Anfang der 1980er für seinen exzentrischen Gesang bekannt – mit Björk sang er damals in einer Punkband und anschließend in der Band Sugarcubes. Eine Dekade später steuerte das Projekt einen Remix zu Björks “Declare Independance” bei. Einars Sprechgesang passt zum bratzigen, elektronischen Sound des Projekts. Ähnlich anarchisch geht es bei ihren improvisierten Bühnenshows zu. Ende September 2011 wird ihr drittes Album fertig, einen Track gibt’s schon vorab zu hören.

http://vimeo.com/21019895

Captain Fufanu

Zu Captain Fufanu gehört Hrafnkell Flóki “Kaktus” Einarsson und sein Kollege Gulli. Bereits im zarten Alter von 16 Jahren feierten die beiden Jünglinge ihren ersten Gig im Jahre 2008. Die Jungs toben sich im Deep House und Experimental aus und sind für den isländischen Underground gerade eine der größten Hoffnungen in Sachen elektronische Tanzmusik. Auf ihrer Soundcloud-Präsenz gibt’s ein paar inoffizielle Remixe von Tracks von Planningtorock und Röyskopp.

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Von Matthias Hummelsiep

Neu in der Rotation (38/2011)

Mondkopt: Rising Doom

Wochentags zwischen 1 bis 6 Uhr:

Arms and Sleepers: Aux
ASC: Slow Burn
ASC: Transit
Cio D’Or: Magnetkreis
Cio D’Or: Wirbelkraft
Cloud Boat: Bastion
Dntel: Deireadh An Tuath
Infinite Livez: Lush Vegetation
John Heckle: Nothing Can Last Forever (Voyeur)
Mondkopf: Moon’s Throat
Mondkopf: My Heart Is Yours
Plaid: Tender Hooks
Plaid: Upgrade
Roll The Dice: See You Monday
Ronny & Renzo: Heartbreak Theme (C2 CinermxMix)
Syntax Error: Dwarf’s Hot Pot
T.E.E.: Descendance
T.E.E.: Enfance
Wannabeastar: I Need A Man (PetSoop Remix)

Wochentags ab 6 Uhr morgens

Christian Löffler: The War
Greg Paulus: Such A Shame (Soul Clap Remix)
Rampi : Feel It Burn (feat. Miss Bee) (Mario Basanov Remix)
Rodriguez Jr.: Massilia
Steffen Kirchhoff: Silk Skies

Wochentags ab 10 Uhr morgens

Crazy P: Heartbreaker
L’Equipe Du Son : Love Will Find A Way (Space Life Remix)
Lou Teti: I Know The Way (Toomy Disco Vocal Mix)
Penguin Prison: Don’t Fuck With My Money
Pompeya: 90 (Korablove Slow Disco Remix)
Tigerskin: Too Much
Toro Y Moi: I Can Get Love

Wochentags ab 13 Uhr mittags

Bodi Bill: What
DJ Shadow: Come On Riding (Through The Cosmos)
Dntel: Boadicea
Lanu: The Coral Route
Vindahl: Head Over Heels (feat. Coco) (Heart Mix)

Wochentags ab 15 Uhr

Architecture In Helsinki: Escapee
Bodi Bill: I Like Holden Caulfield (feat. Siriusmo)
Katy B: Lights On (Gigamesh Remix)
Like A Stuntman: Yesterday Euphoria
L-Vis 1990: Lost In Love (feat. Javeon McCarthy)
Penguin Prison: Golden Train
Penguin Prison: In The Way
Pompeya: 90 (Popnoname Remix)
The Magician : I Don’t Know What To Do (feat. Jeppe) (Fabian Remix)
Tyson: After You’re Gone (Solo Remix)
Vindahl: Not In Space

Wochentags ab 18 Uhr

Bodi Bill: Brand New Carpet (Pat Ferry Remix)
Cardopusher : School Daze (feat. Sensational)
Crazy P: Changes
Crazy P: Open For Service (Ron Basejam Remix)
Cyan341: Disconnected (Abstract Source Mix)
Infinite Livez: More Often Than Not
Octo Octa: I’m Trying
Stimming: Challenge The Air
Vindahl: The Opening

Wochentags ab 20 Uhr

Basic Soul Unit: Soulspeak
Blawan: What You Do With What You Have
Crowdpleaser: My Grandmother Could Tell You (Daniel Maloso Remix)
Cyan341: Disconnected
Doomwork: Congastic (Argy’s These Days Mix)
Echonomist: Give And Receive (Revisited)
Fairmont: Emax
Maceo Plex: Can’t Leave You
Mano Le Tough: From The Start
Siopis: I Try To Fight (Boogie Drama Remix)
Trickski: Good Time To Pray (feat. Ernesto) (Axel Boman Remix)

Wochentags ab 22 Uhr

Acid Andee: Talking Bass
Boska: Arrival
DJ Shadow: Circular Logic (Front To Back)
Horsepower Productions: What We Do
Jack Dixon: Out My Window
Little Dragon: Ritual Union (AnTenNae Remix)
Lone: For Ed
L-Vis 1990: Lost In Love (feat. Javeon McCarthy) (Night Slugs Allstars Street Mix)
Pangaea: Hex
Untold: Bones (Rockwell Remix)

Freitags und Samstags von 22 Uhr

RackNRuin: Righteous (feat. Serocee, Navigator & Illaman)
Surkin : Ultra Light
Tomb Crew: Yaphet Kotto Stole My Steez

Freitags und Samstags ab 24 Uhr

Andrea Casula: La Vallette
Art Of Trance: Chung Kuo (DJ Aphrodite Remix)
Cardopusher : Pupusa (feat. Sensational) (Kid606 Remix)
Tom Staar: Weekenders

Samstag und Sonntag ab 4 Uhr

Cesare vs Disorder & Rainer : From X-Berg to San Diego
Jonsson and Alter: Djup House
Loud-E: Pandemonium

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Von Admin

Die Saison ist eröffnet – Neue Clubs en masse!

Wer gedacht hatte, es sei unmöglich in Kreuzberg noch einen Club zu eröffnen, der hat sich ordentlich getäuscht. Noch bevor das Gretchen zum Oktober Premiere feiert (BLN.FM berichtete), haben bereits zwei neue Veranstaltungslokale geöffnet. Und auch im florierenden “Kreuzkölln” gibt es eine Neueröffnung zu feiern.

im Prince Charles

Eröffnung Nummer Eins ist das Prince Charles am Moritzplatz, das in der letzten Zeit für andere Veranstaltungen bereits unter den Namen “Blumenbar” firmierte. Das Prince Charles ist im Hinterhof des neuen Aufbau Hauses gelegen und kommt ziemlich schick-modern daher. Von innen kann man durch die verglaste Fassade auf den Hof mit Sitzgelegenheiten blicken. Die Bar befindet sich in einem ehemaligen Pool und auch einige Wände sind wie der Pool gekachelt. Während der Berlin Music Week gab es schon eine gelungene House-Party in den Räumlichkeiten( siehe BLN.FM Tagestipp) und schon vor der offiziellen Eröffnung letzten Samstag spielte Apparat mit seiner Band. Zur Eröffnungsparty gab es für „Schickimicki-Kreuzberger“ mit Nerdbrille Klassiker der 1990er vom Team der Berlin Battery und Uffie. Am letzten Wochenende im September ist die “Revolution No. 5″-Party zu Gast: Future Bass mit Shystie, Deadboy, Becoming Real und den Sick Girls – schwerer Hippster-Alarm! Es bleibt abzuwarten, was in der mit viel Liebe gestalten Location in nächster Zeit so passieren wird.

Moodyman im S.K.Robinson am 2.10.2011

Wenn man vom Moritzplatz aus die Oranienstraße bis zum Görlitzer Bahnhof hinunterläuft, kommt man zum S.K Robinson. Der Club befindet sich in den alten Räumlichkeiten des My Name is Barbarella. Zur Eröffnungsfeier am 02.10 wird Detroit-Legende Moodyman am Start sein. Das Konzept der Vorgänger wollen die neuen Betreiber überarbeiten: vom Licht bis zum DJ-Pult soll alles verändert sein. Das musikalische Programm scheint vielversprechend zu sein – dennoch mal sehen, ob sich das S.K Robinson bewähren kann.

Gleich Loftus Hallum die Ecke im Norden von Neukölln, direkt an der Grenze zu Kreuzberg, befindet sich die neue Heimatstätte der Kleinen Reise namens Loftus Hall. Namensgeber ist ein mystisches Haus in Irland, indem der Geist einer jungen Frau und der Teufel höchstpersönlich spuken sollen. Die Eröffnungsparty fand letzten Freitag statt und tatsächlich war es etwas unheimlich. Denn die Räumlichkeiten verstrahlen den Charme eines Alt-Berliner Tanzlokals – man fühlt sich wie in eine andere Welt versetzt. Die Betreiber haben fast alles so gelassen, wie sie die Räume bei der Übernahme vorgefunden haben. Genau die richtige Entscheidung! Das musikalische Konzept wird ähnlich wie in der Kleinen Reise bleiben: also Disko und House-Musik. Den letzten Samstag im September spielt dort Nudisco-Epigone John Talabot ein Set. Das Disco-Revival in Berlin ist also längst nicht vorbei.

  • Prince Charles, Prinzenstr. 85, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn:Moritzplatz
  • S.K Robinson, Skalitzerstrasse 36, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn:Görlitzer Bahnhof
  • Loftus Hall, Maybachufer 48, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn: Schönleinstraße

 

 

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Von Leon Bollinger

Mediengruppe Telekommander – Raus aus dem Hamsterrad!

Die Idee, mal was anderes zu machen als Musik, hatten sie schon seit langer Zeit. Dass sie sich aber deshalb gleich auflösen, kam dann doch überraschend. Kurz vor der Produktion ihres vierten und letzten Albums “Die Elite der Nächstenliebe” (erscheint am 23. September auf Audioakt) haben Mediengruppe Telekommander (MTK) entschieden, dass es Zeit ist getrennte Wege zu gehen.

Florian Zwietnig und Gerald Mandl lernten sich auf einer Zugfahrt nach Berlin kennen. 2001 beschlossen sie zusammen Musik zu machen. Seitdem haben die beiden republikbekannten Rampensäue mit ihrem markant krächzenden Sprechgesang und Songs wie “Kommanda” und “Bild dir deine Meinung” als Mediengruppe Telekommander für Aufsehen gesorgt.

Das durchgeknallte Elektropunk-Image der Mediengruppe war nur die eine Seite des Projektes. Zum poppigen Sound kamen ironisch überspitzte Texte. Der resultierende Kontrast war dem Duo wichtig: keine zu offensichtliche, direkte Kritik, sondern die Selbstironisierung durch zackige 4/4-Drum und knallende Melodien. Das Publikum war begeistert, fühlten sich von der offenkundigen Sozialkritik verstanden. Manche nahmen die medienaktivistisch-revolutionäre Attitüde allerdings so ernst, dass sie extra drastische Videos zu den Tracks der Mediengruppe bastelten. Bei einigen Videos fehlt schon der ironische Abstand zum Inhalt der Songs, sagen Gerald und Florian.

Auch kritisches Gelaber und Gerüchte um die Band selbst bearbeitet die Mediengruppe durch die Lieder. In “Bild dir deine Meinung” (aus dem Album “Näher am Menschen”, 2006) lassen sie das Gerede Revue passieren: sie seien die deutschen Beastie Boys, seien auf Tour dauerbreit und Backstage gäbe es wilde Orgien mit Groupies. Gerald sagt: Alles Zitate und Gerüchte aus Internetblogs, die wir im Songtext verarbeitet haben. Eine Art Sammelsurium an Missverständnissen und Nachgesagtem, auch wenn an manchem etwas dran ist, allerdings völlig übertrieben dargestellt: „Wir haben unglaublich viel gefeiert, weil es natürlich so ein unglaublicher Rausch ist am Anfang, der sich dann aber auch eben sehr schnell abnutzt“, sagt Florian. Doch der Rausch muss spätestens dann Pause machen, wenn neue Musik kommen soll – und die folgte.

Die 10 Jahre Banddasein beschreiben Florian und Gerald als einen Strudel an zeitfressenden Arbeitsabläufen: Songwriting, Produktion, Tour, Songwriting und so weiter: “Wenn man was so intensiv betreibt, (…) dann sind nicht mehr viele Freiheitsgrade vorhanden für was anderes.” Nach der Auflösung der Mediengruppe werden sie die Zeit nutzen, sich getrennt voneinander eigenen Projekten zu widmen.

Auch das letzte Album der Mediengruppe Telekommander ist natürlich keine reine musikalische Tortenschlacht. Bei “Elite der Nächstenliebe” dreht es sich um “Charity zum Zwecke der Selbstvermarktung”. Was meint die Mediengruppe bloß damit? Es geht um das “aufgesetzte Gutmenschentum” von Prominenten, die sich nach humanitären Katastrophen ins Rampenlicht setzen und auf pompösen Galas öffentlichkeitswirksam Geldbeträge fließen lassen. Dabei profitieren die aufmerksamkeitsgeilen Reichen auch noch vom Leid der anderen, in dem sie die Anlässe dazu nutzen, Werbung für ihr eigenes Image zu machen.

http://www.youtube.com/watch?v=6BEEdKQ4zQw&feature=player_embedded

Aber auch andere Themen werden angeschnitten: in “Billig” geht’s mit den schnäppchengeilen Konsumenten ins Gericht: “Ich will das hier billig / Und das hier, nehm ich gleich mit / Denn ich kann nur noch billig / weil es nur noch billig gibt.” Ist das Thema Konsumkritik denn nicht etwas ausgelutscht langsam? Die Mediengruppe verneint. Es geht nicht um eine generelle Konsumschelte, sondern die Tendenz zur aggressiveren Schnäppchenjagd, die sie ausmachen. Ideengeber war die absurde Erstürmung einer Media Markt-Eröffnung in Berlin.

Was sagen denn die Fans, dass ihr aufhört, Mediengruppe? – Selbst auf diese Frage können Florian und Gerald nicht wirklich ernst antworten: “Es sind tausend Tränen geflossen, wir wurden überrollt mit Tränen-Emails.” Für immer muss auch die Trennung nicht sein, sagen auch Florian und Gerald. Vielleicht kämen sie mit 65 Jahren wieder, mit Sauerstoffzelt und Krücke!

Das BLN.FM-Interview zum Nachhören:

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Von Matthias Hummelsiep

Apparat – Kollektiv in der Inspirationswanne

AApparatuf der Flucht vor dem Winter zog es Apparat zusammen mit verschiedenen Musikern nach Mexico, um Ideen für sein neues Album zu sammeln. Abseits der Zivilisation, in einer Villa auf der Spitze eines Bergs, bauten sie ihre Instrumente auf und spielten drauf los. Zurück in Deutschland legte er sich dann mit Koproduzent Nackt (auch Warren Suicide) in eine, wie er sagt, „Inspirationswanne“ und produzierte „The Devil’s Walk“ fertig.

Der Wunsch nach einem organischeren Sound, den Apparat schon länger mit sich trägt, erfüllte er sich jetzt: live tritt er mit eigener Band auf. Er genießt die neue Erfahrung des Bandlebens, auch wenn das Reisen mit Band weniger Luxus bedeutet als solo durch die Weltgeschichte zu jetten. Nicht allein zu sein und trotzdem auch die Möglichkeit des Rückzugs zu haben – das ist es, was den Unterschied macht. Derzeit bleibt da wenig Platz für die Produktion neuer Musik: nächstes Jahr gibt’s erstmal eine Produktionspause, denn das Live-Programm soll noch perfekter werden. Live ist sowieso das Wichtigste für Apparat, und die Nachricht, dass Ende August das Album vor der offiziellen Veröffentlichung schon im Internet kursierte, nahm er deswegen mit Fassung. “Das Album kaufen sich sowieso nur die echten Liebhaber.”

Das ganze Interview mit Apparat und Nackt, dem Koproduzenten und Gitarristen der Apparat Band auf dem Tauron Nowa Muzyka Festival in Polen:

Das BLN.FM-Interview mit Apparat & Band als Radiofeature:

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Von Leon Bollinger

Berliner Heidenfreude mit Benedikt XVI

Benedikt XVI beim Wort zum Sonntag / ARDAlois Ratzinger aka Benedikt XVI ist ein mächtiger Mann. Er dirigiert zwar keine wirtschaftliche Supermacht, hat keine Befehlsgewalt über Panzerdivisionen und Atombomben und hat auch keine Kolonie auf dem Mond, aber immerhin so ähnlich. Ihm folgen 1,18 Milliarden Katholiken auf der Welt. Er ist ein Popstar, die kollektive heilige Vaterfigur von Massen. Seine irdische Herde von Gläubigen erwartete von ihm, dass er die Richtung in unübersichtlichen und unsicheren Zeiten weist. Kein Wunder, dass Benedikt da unter Äußerungsdruck steht, der ihn in den letzten Jahren nicht selten an den Rand des westlich-fortschrittlichen Wertekanons gebracht hat.

Wir wundern uns deswegen nicht, dass sich gegen den Besuch des Papstes am 22. September eine breite Protestfront formiert hat. Im Kern geht es dabei gegen altbekannte Thesen Ratzingers. Das Bündnis “Der Papst kommt” will gegen die “menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes” auf die Straße gehen. Bündnis-Gegenpäpstin Rosa I hat schon zum “Heiligen Krieg gegen die Katholische Kirche” aufgerufen – natürlich nur verbal. Das Bündnis fordert, das Priesteramt auch für Frauen zu öffnen. Der Vatikan soll seine Diskriminierung Homosexueller und die Ächtung von Kondomen und Abtreibung beenden. Da erklärt sich auch Klaus Wowereit, der sich ja gerne als “Mutti” des toleranten Multikulti-Berlins stilisiert, gern solidarisch.

Das Berliner Verwaltungsgerichtes hat die Anordnung der Polizei bestätigt, welche die zentrale Demo unter dem Motto “Keine Macht den Dogmen” vor dem Bundestag untersagt.  Sie startet nun am 22.9. 16:00 Uhr am Potsdamer Platz, die Abschlusskundgebung wird am Bebelplatz stattfinden. Daneben existieren auch noch die Bündnisse “Not Welcome” und “What The Fuck” aus dem linksradikalen Umfeld. Letzteres will dem Papst den Schlaf rauben. Vor der Apostolischen Nuntiatur (Lilienthalstraße 3a, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn: Südstern), wo der Heilige Vater zu nächtigen gedenkt, soll am 22.9. abends eine lautstarke Party steigen.

Der Protest scheint fest in der Gesellschaft verankert. Wenn der Papst vor dem Bundestag sprechen wird, dann wollen um die hundert Parlamentarier von SPD, Grüne und Linkspartei fernbleiben. Ursprünglich hat der gleiche Bundestag beschlossen, den Papst nach Berlin einzuladen. Man darf sich schon etwas wundern: ein offizieller Staatsbesuch dreht sich hauptsächlich um katholische Belange, die in einem säkulären Staat wie Deutschland, in dem Kirche und Staat getrennt sein sollten, eigentlich nicht in’s Parlament gehören. Warum sich der Papst für seinen Besuch ausgerechnet Berlin ausgesucht hat, bleibt auch offen: schließlich ist unsere Stadt der Hydrakopf des protestantischen, oder noch schlimmer, multi- und subkulturell geprägten Saupreißens, wie man unsere Gefilde im katholischen Bayern zu nennen pflegt.

Doch halb so wild: als tolerante Wesen mit großer Schnauze sind die Berliner nicht die schlechtesten Gastgeber. Und die Tourismusbranche wird sich auf jeden Fall über das Geld der anreisenden Gläubigen freuen. Bleibt nur die Frage, ob sich 2000 Jahre Rost überhaupt abschleifen lassen.

  • Kundgebung “Keine Macht den Dogmen”, 22.9.2011, 16 Uhr, Potsdamer Platz
  • Weiter Aktionen gegen den Papstbesuch unter What The Fuck

 

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Von Arne Markuske
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